AG Mobilität forder mehr Einsatz für Barrierefreiheit

Mithilfe einer Simulationsbrille und einem Langstock erlebte Verkehrsstadtrat Michael Karnetzki (SPD), wie schwer es blinde Menschen haben, das Rathaus Zehlendorf zu betreten. Michaela Franke, die sonst Sehbehinderte am Langstock trainiert, betreute ihn dabei. (Foto: K. Menge)

Steglitz-Zehlendorf. Die ehrenamtliche Arbeitsgemeinschaft AG Mobilität setzt sich für Menschen mit Behinderung und Einschränkungen der Mobilität ein. Am Donnerstag, 23. Juni, hatte die AG zu einer besonderen Aktion vor dem Rathaus Zehlendorf eingeladen.

Während sich Bau- und Verkehrsstadtrat Michael Karnetzki (SPD) mit Simulationsbrille und Langstock zaghaft tastend über den Platz vor dem Rathaus Zehlendorf bis zum Eingang bewegte, probierte Tiefbau-Stadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne/B’90) wie es ist, sich im Rollstuhl fortbewegen zu müssen. Das Fazit von beiden: sehr anstrengend und ungewohnt. Aber auch interessant, sich einmal in die Lage eines Menschen mit Handicap hineinzuversetzen.

„Wir wollten dazu auffordern, einmal die Perspektive zu wechseln“, erklärte Ludwig Torns, Sprecher der AG Mobilität. Vor allem die Mitarbeiter aus dem Rathaus, die mit Bauen und Planen zu tun haben, wollte man mit der Aktion erreichen. Denn zufrieden ist die AG mit den Bedingungen für Menschen mit Beeinträchtigung im Bezirk nicht. „Leider war die Resonanz der Verantwortlichen nicht sehr groß“, sagte der AG-Sprecher.

Die Arbeitsgemeinschaft fordert ein Programm, damit Barrierefreiheit im öffentlichen Raum stets beachtet wird. Beim Straßenbaum müssten die Vorgaben für eine Bordsteinabsenkung von drei Zentimetern eingehalten und Barrieren wie zum Beispiel Fahrradleichen zügig weggeräumt werden. Mehr Tempo 30-Zonen und verkehrsberuhigte Bereiche kämen ebenfalls den Bedürfnissen behinderter Menschen entgegen.

Wo ist die Rampe?

Bei der Aktion vor dem Rathaus Zehlendorf ist auch deutlich geworden, dass für Menschen mit Beeinträchtigungen noch einiges zu tun ist. Selbst der Eingang am Rathaus, der eigentlich behindertengerecht sein soll, weist Hindernisse auf. Es gibt zwar eine neue Rampe, die auch an einer Automatiktür endet, doch die Rampe ist schwer zu finden. Also wird die besser erkennbare alte Rampe benutzt. Aber die ist viel zu steil und am Ende kommt man nicht weiter. Denn dort gibt es keine automatischen Türen und die Türklinken sind viel zu weit oben angebracht. „Da kommt ein Mensch im Rollstuhl nicht ran“, sagt Karnetzki und versprach, nach einer Lösung zu suchen. KM
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