Bezirk legt für die Mauertoten einen Kranz nieder

Ein Kranz gegen das Vergessen: Kulturstadträtin Dagmar König (l.) und BV-Vorsteherin Judith Stückler würdigen die Opfer der Mauer. (Foto: Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Auch wenn der Wall durch die Stadt im Bezirk nicht direkt sichtbar war, spürte man die Auswirkungen der Eingeschlossenheit auch in der City West. 25 Jahre nach dem Fall der Mauer hält der Bezirk die Erinnerungen an die Opfer dieses Bauwerks wach, und speziell an einen jungen Mann, der den Kurfürstendamm nie erblickte.

"Ich wollte so gerne Amerika sehen" - das sind die Worte, mit denen man Chris Gueffroy wohl immer verbinden wird. Der junge Mann aus Ost-Berlin nahm für seinen Wunsch allen Mut zusammen, sollte aber Amerika nie erreichen, sah nicht einmal den Kurfürstendamm.

Als vorletztes Todesopfer der Berliner Mauer steht Chris Gueffroy dieses Jahr im Mittelpunkt des Gedenkens in Charlottenburg-Wilmersdorf. Zur Kranzniederlegung am Steinplatz in Erinnerung an die Opfer des Stalinismus durch Bezirksverordnetenvorsteherin Judith Stückler und Kulturstadträtin Dagmar König (beide CDU) gab er als einer von 138 Mauertoten dem Grauen ein Gesicht.

Beim SC Dynamo als "besonderes Turntalent" erkannt, trug sich der Leistungssportler mit Zukunftsplänen, die nicht nur über Ost-Berlin, sondern über das gesamte Gebiet Deutschlands hinausreichten, erklärte Stückler. Chris Gueffroy war das vorletzte Todesopfer im Februar des Jahres 1989, in dessen November die Mauer fiel. Von Treptow nach Neukölln wollte er flüchten - und starb dabei durch einen Schuss ins Herz.

"Chris Gueffroy wäre heute 45 Jahre alt", erinnerte Stückler. "Er steht in unseren Augen stellvertretend für alle anderen Opfer." Sein Name prangt heute auf den Schildern der ehemaligen Britzer Allee. Dass sich das Drama zwischen Treptow und Neukölln zutrug, hält Stückler, König und die Vereinigung der Opfer des Stalinismus nicht davon ab, ihn auch hier, in einem mauerfernen Bezirk zu ehren.

Als menschenfeindliches Bauwerk habe die Mauer 28 Jahre lang die Teilung Berlins allen vor Augen geführt, mahnte König. "Wir freuen uns, dass es dem Freiheitsdrang der Menschen in der DDR nicht standgehalten hat." Inzwischen seien aber beim Thema Mauer Touristen oft besser informiert und interessiert als junge Berliner. Im Alter, in dem Chris Gueffroy an der Grenze starb, finden sie nur noch sehr wenige Anschauungsstücke vor. Ihnen bleiben nur die Erzählungen der Älteren. Von der Erfüllung des Traums des Chris Gueffroy hält sie nichts ab.


Thomas Schubert / tsc
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