Flüchtlingskrise: Ärger um erneute Turnhallen-Belegung

Konfrontation: Anwohner nutzten die Versammlung des Bezirks zur Heimeröffnung für breit angelegte Kritik an den Verhältnissen. (Foto: Thomas Schubert)

Schmargendorf. Zögerliche bis nicht vorhandene Kommunikation, ausfallende Sportnutzung, menschenunwürdige Zustände – es hagelt Kritik gegen die plötzliche Notbelegung der Ruhemann-Halle. Aber Bezirk und Lageso sehen vorerst keine Alternative, um Flüchtlinge vor Frost zu schützen.

Tischtennis ist auf längere Zeit passé. Völlig überraschend stand ein Gruppe von Sportsfreunden am 18. November vor dicht gedrängten Zeilen von Doppelstockbetten – und musste so zur Kenntnis nehmen, dass ihr Hobby zum Wohle von 180 Flüchtlingen ruhen muss.

„Wir sind in der Lage, überall auf der Welt Katastrophen zu managen. Aber diese Situation ist doch außergewöhnlich“, erklärte nun bei einer ersten Informationsveranstaltung der DRK-Landesvorsitzende Manfred Klein im Namen des Trägers.

So gut die Werner-Ruhemann-Halle an der Forckenbeckstraße für Sportveranstaltungen taugt, so schlecht funktioniert sie als Unterkunft. Dass das Lageso trotz Kritik des Bezirksamts wieder Sportstätten beschlagnahmt – wie zuletzt auch in der Prinzregentenstraße – sieht Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU) als Ausdruck der blanken Not.

Mit nunmehr 13 Flüchtlingseinrichtungen und über 5000 Bewohnern liegt Charlottenburg-Wilmersdorf in Berlin immer deutlicher an der Spitze. Und die Fragen und Wortbeiträge von Anwohnern bei jeder neuen Heimeröffnung lassen darauf schließen, dass das Verständnis Grenzen hat.

„Es hieß einmal, man nimmt uns bei solchen Entscheidungen mit“, beschwerte sich eine Frau. „Aber wir erfahren erst drei Wochen später, was Sache ist. Da fühlt man sich verschaukelt.“

Ein anderer Mann sah darüber hinweg, störte sich aber an den Hürden, denen sich Freiwillige ausgesetzt sehen: „Es gibt Menschen, die helfen wollen, aber an der Bürokratie scheitern“, sagte er im Hinblick auf einen Fall, in dem ein Wohnungsbesitzer Flüchtlinge privat einquartieren wollte. Doch weil die Deckenhöhe mit 2,40 Meter zehn Zentimeter zu niedrig war, sagten die Behörden nein.

Solche Widrigkeiten konnte Michael Küpper von der Unterbringungsleitstelle des Lageso nicht kommentieren. Er versprach den Schmargendorfern aber, die Belegung ihrer Turnhalle so kurz wie möglich zu halten. Im Gespräch sei derzeit eine neue Lösung: die Anmietung von Hotels. tsc
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