Ausstellung vor dem Olympiastadion zur NS-Sportpolitik

Die Gedenksäulen vor dem Olympiastadion würdigen von den Nazis verfolgte und ermordete Sportler. (Foto: Caspar)

Charlottenburg. Kaum waren die Nationalsozialisten vor 80 Jahren an der Macht, begannen sie mit der massiven Ausgrenzung von Juden, Kommunisten, Gewerkschaftern und anderen nicht in ihr rassistisches und politisches Weltbild passende Menschen. Betroffen von Ausgrenzung, Verfolgung und Mord waren auch zahlreiche Sportler.

Drei im Rahmen des Themenjahrs "Zerstörte Vielfalt" vor dem Olympiastadion am Olympischen Tor aufgestellte Säulen schildern, wie der Sport im Hitlerstaat nicht nur zur Wehrertüchtigung der "Volksgenossen" und zur Kriegsvorbereitung missbraucht wurde, sondern auch wie er herhalten musste, um das Image des "Dritten Reichs" in der Welt aufzupolieren. Vor allem die Olympischen Spiele von 1936 waren für die Nazis ein willkommenes Ereignis und ließ sie viel Geld kosten, Deutschland als eine fest hinter Hitler stehende sportliche Großmacht zu feiern. Für wenige Wochen wurde die massive Hetze gegen Juden ausgesetzt. Den zu dem Sportspektakel angereisten Journalisten und Sportfunktionären wurde eine Atmosphäre der Weltoffenheit und Freiheit vorgegaukelt. Kaum wurde wahrgenommen, dass die Gestapo Sinti, Roma und andere als Asoziale diffamierte Menschen verhaftete und in ein Lager in Marzahn damals am Rand der Reichshauptstadt deportiert. Jüdische Sportler sowie Sinti und Roma litten aufgrund der Rassengesetze unter massiver Diskriminierung, und da spielte es keine Rolle, dass sie vor 1933 in nationalen und internationalen Wettkämpfen großartige Siege erzielt hatten und als Sportasse gefeiert wurden.

Die Open-Air-Ausstellung vor dem Olympiastadion berichtet über das Schicksal bekannter Athleten wie des Halbschwergewichtlers Jochen Trollmann, einen Sinto, den man angeblich "undeutschen Boxens" beschuldigte, ferner über die jüdischen Brüder Alfred und Gustav Flatow sowie den jüdischen Archäologen Alfred Schiff, von dem die Idee für den olympischen Fackellauf stammt, und den Ringer, Kommunisten und Widerstandskämpfer Werner Seelenbinder. Geschildert werden ferner die Motive der NS-Sportpolitik, für die sich im Internationalen Olympischen Komitee manche Sympathisanten fanden, weshalb 1936 ein Boykott des Berliner Spektakels ausblieb. Eine besondere Rolle in der Ausstellung im Rahmen des Themenjahrs "Zerstörte Vielfalt" spielt der Fußballverein Hertha BSC, der sich in der NS-Zeit als "linientreu" erwies, sich seiner jüdischen Spieler entledigte und mithalf, die internationale Kritik am Nazistaat zu beschwichtigen.


Helmut Caspar / HC
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.