Gaslaternen: Freunde des warmen Lichts fast ohne Gegner

Umrüstung ab November: Rund 1370 Gaslaternen im Bezirk sollen verschwinden, falls eine Petition das Vorhaben nicht stoppt. (Foto: Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Laternen als Kulturgut und Zweifel an der Umrüstungskampagne - kaum ein Teilnehmer der aktuellen Bürgerversammlung wollte das Gaslicht missen. So verlief dieser Abend im Rathaus Charlottenburg recht einseitig: Der Senat hatte keinen Vertreter entsandt.

Ab November wird es duster. Dann sollen im Bezirk gegen den Willen vieler Bürger die ersten von rund 1370 gasbetriebenen Peitschen-Masten elektrisch betriebenen Gegenstücken weichen. Und nur fünf Gebiete, etwa der Rüdesheimer Platz, Alt-Charlottenburg und die Welterbe-Siedlung Charlottenburg-Nord, bleiben nach den jetzigen Plänen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung von der Umrüstungsaktion verschont. Mit dem Ausblick auf die Bewahrung von historischen Gaslaternen an ausgewählten Orten eröffnete Stadtrat Marc Schule (SPD) die Debatte mit Bürgern, die lieber mit den eigentlichen Verantwortlichen ins Gespräch gekommen wären. Doch Staatssekretär Christian Gaebler und ein Vertreter von Vattenfall blieben der Veranstaltung fern.

So musste Joachim Neu von der Bürgerinitiative Stuttgarter Platz seinen Unmut ersatzweise an Schulte adressieren. In seinem Kiez habe er bereits jetzt neuartige Lichtmasten ausgemacht, die ein "brutales Weiß" entsenden. Eigentlich seien farbechte, gelbliche LED-Lampen versprochen worden. Er sehe sich mit 80 Prozent der Berliner im Einklang, die das Gaslicht bewahren wollen. "Das ist ein kulturelles Erbe", glaubt Neu.

Auf seiner Seite wusste er Bertold Kujath vom Verein "Gaslicht-Kultur", der die "einmalige Situation" im Bezirk, Laternen aus verschiedenen Epochen auf engem Raum als "Alleinstellungsmerkmal mit touristischer Bedeutung" empfindet. Kujath bezweifelt die Rechnung des Senats, wonach sich der Energieverbrauch bei der Straßenbeleuchtung durch Umrüstung auf elektrische Leuchten jährlich bis zu 50 Prozent senken lässt. Zu wenig berücksichtigt habe man auch die Tatsache, dass Gasmasten technisch bedingt nicht rosten und bis zu fünf Mal länger halten als elektrische.

Schulte verwies darauf, dass sich bei Verhandlungen zum Erhalt weiterer Leuchtensembles die Frage der Gegenfinanzierung stelle. Einsparungen im Haushalt müssten dann an anderer Stelle getroffen werden.

Eine Mehrheit der Berliner schätze zwar die alten Schinkel- und Hängemodelle, nicht aber die neueren Peitschenmasten aus den 50ern. Ähnliche Erkenntnisse gewann auch Martin Burth vom Kiezbündnis Klausenerplatz. "Nur ein einziger in der Nachbarschaft" habe eine bereits erfolgte Umrüstung bemerkt. Mit seiner Haltung als Befürworter der Senatsentscheidung blieb Burth im Kreise von rund 75 Bürgern ziemlich allein.

Am Ende des Abends machten schließlich Vorschläge die Runde, die ans Satirische grenzten: Zum Beispiel dass man die abmontierten Gaslaternen einlagern könne anstatt sie zu verschrotten. Um sie dann wieder aufzustellen, wenn die kurzlebigen Elektroleuchten verschlissen sind.


Thomas Schubert / tsc
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