Übungstunnel der Feuerwehr besteht seit zehn Jahren

Ganz nah an der Realität: Die Feuerwehr bekämpft einen Brand im U-Bahnwagon. (Foto: Wecker)

Charlottenburg. Mit der öffentlichen Übung demonstrierten die Feuerwehr und die BVG ihre Einsatzfähigkeit und würdigten zugleich das zehnjährige Bestehen ihres Übungstunnels für Katastrophen.

Der Grund für den Bau der Anlage war ein Unglück während einer Massenveranstaltung, das dank vieler glücklicher Umstände glimpflich ausging. Am Sonnabendnachmittag des 8. Juli 2000 drängten sich bis zu 400 Personen auf den Bahnsteigen der Station Deutsche Oper. Zumeist waren es Jugendliche, die zur Love Parade wollten. Statt des Zuges sahen sie aus Richtung Ruhleben Rauchschwaden aus der Tunnelröhre in den Bahnhof dringen. Denen folgte der brennende Zug. Hektisch wechselten die Fahrgäste über die Gleise zum anderen Bahnsteig. BVG-Mitarbeiter führten die Passagiere zum Notausgang, denn damals hatte die Station nur einen Ausgang. Der befand sich an jenem Ende, aus dem der brennende Zug kam. 21 Fahrgäste erlitten Rauchvergiftungen. Der Zug brannte vollkommen aus.Noch im selben Jahr wurde mit dem Bau eines zweiten Ausganges begonnen. Weitere Konsequenz aus diesem Vorfall war der Bau des Feuerwehrübungstunnels.

Der wurde am 14. Juli 2003 im Bahnhof Jungfernheide eröffnet. Er ist etwa 300 Meter lang und besteht aus einem Bahnsteig, dem Tunnel und einer Rauchkammer. Vor drei Jahren ist in der entgegengesetzten Richtung ein weiterer Übungstunnel hinzugekommen, wo ähnliche Übungen für die Fernbahn, die ihren Strom über Oberleitungen erhält, durchgeführt werden.

Der Tunnel war für die U-Bahnlinie 5 bestimmt, die ursprünglich von Hönow zum Flughafen Tegel führen sollte. Bis zur Jungfernheide ist die Linie formell noch heute in der Planung. In dem bereits vorgetriebenen Tunnel wurde von Gleisbaulehrlingen der BVG 350 Tonnen Schotter, 540 Schwellen, 220 Meter Stromschiene und eine Weiche verlegt, über die ein ausrangierter motorloser Vierwagenzug für die Übungen geführt wurde. Die 400 000 Euro teure Feuerwehrübungsanlage ist einmalig, sodass in den zehn Jahren ihres Bestehens immer wieder ausländische Gäste wie Mitarbeiter der Moskauer Metro oder der brasilianischen Feuerwehr dort Übungen der Berliner Feuerwehr besuchen.

"Der Vorzug dieses Tunnels ist, dass wir hier realitätsnah üben können", sagt der stellvertretende Landesbranddirektor Karsten Göwecke. Geübt wird nicht nur das Verhalten bei Bränden, sondern auch die Havarie eines Zuges, Wassereinbruch im Tunnel, Evakuierungen im Tunnel, die Befreiung von Fahrgästen aus einem Zug und das Retten von Verletzten. Einmal jährlich soll jeder der Berliner Feuerwehrleute in dem Tunnel geübt haben. Die BVG schult hier jedes Jahr 500 Mitarbeiter. Der Tunnel wird auch von der Freiwilligen Feuerwehr, der Polizei, dem Roten Kreuz, dem Technischen Hilfswerk und den Sondereinsatzkommandos des Landes- und des Bundeskriminalamtes für Übungen genutzt.


Frank Wecker / FW
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