Sewanstraße: Neubau mit Mietwohnungen und Discounter geplant

Das Gebäude mit Wohnungen und einem Aldimarkt im Erdgeschoss soll parallel zum Erieseering 30 bis 40 errichtet werden. (Foto: Josephine Klingner)
 
Baustadtrat Wilfried Nünthel (CDU) ist für den Neubau. (Foto: Josephine Klingner)
Berlin: Aldi |

Friedrichsfelde. Bei einer Bürgerversammlung am 27. Juli wurde das Konzept für den Neubau in der Sewanstraße 259 vorgestellt. Die Anwohner zeigten sich wenig begeistert und hatten viele Bedenken.

Zu viel Schatten, Lärm, zu wenig Parkplätze – die Anwohner des Erieseerings fürchten um ihre Wohn- und Lebensqualität. Geht es nach Aldi, Eigentümer des Grundstücks, und dem Bezirk, entsteht auf dem Gelände des Discounters in den kommenden Jahren ein etwa 25 Meter hohes, achtgeschossiges Gebäude, parallel zu den Häusern Erieseering 30 bis 40. Auf einer Grundfläche von 10 000 Quadratmetern sollen rund 80 Mietwohnungen entstehen. Die Kaltmieten werden mit acht bis neun Euro pro Quadratmeter veranschlagt.

Das Erdgeschoss ist für eine Aldi-Filiale reserviert. „Wir betreten damit Neuland und müssen sehen, wie es funktioniert“, sagt Ulf Klett, Prokurist der Aldi-Immobilienverwaltung. Vorgesehen ist, den bestehenden Markt abzureißen und dann das gesamte Grundstück zu verkaufen – an den Gesundheitsfonds einer deutschen Krankenkasse, der dann als Bauherr auftritt.

Wilfried Nünthel (CDU), Stadtrat für Stadtentwicklung, begrüßt das Vorhaben: „Allein in diesem Jahr haben wir pro Monat rund 500 Zuzüge. Das ist am Wohnungsmarkt ganz deutlich zu spüren.“ Seit Jahren mache sich der Bezirk Gedanken darüber, wo weiterer Wohnungsbau möglich ist. „Wir wollen keine Kleingärten und Grünanlagen plattmachen, sondern uns auf die Flächen konzentrieren, auf denen bereits gebaut worden ist.“

„Wir haben das Gebäude nach hinten abgetreppt, damit es bei dem rückwärtigen Bestandsgebäude zu keiner Beschattung kommt“, erklärt Jörg Dieter Papendieck vom Architekturbüro Papendieck, Rade + Partner. Anwohnerin Anja Mühlbach hat da arge Zweifel. Sie lebt mit ihrer Familie in einer Erdgeschosswohnung. „Schon jetzt ist es in den ersten vier Etagen relativ dunkel. Wo bleibt da meine Wohnqualität, wenn der Neubau kommt?“, fragt sie.

„Der Abstand zwischen dem Neubau und den Bestandsgebäuden liegt bei über 30 Metern – weit mehr als gesetzlich vorgeschrieben“, betont Papendieck. Vor den Bauarbeiten solle außerdem eine „Verschattungsexpertise“ erstellt werden. Dabei simuliert ein Computerprogramm, an welchen Orten sich zu jeder Tages- und Jahreszeit Schatten bilden. „Die Studie wird zeigen, dass es zu der befürchteten Verschattung nicht kommen wird“, versichert der Architekt.

Trotz Parkplatznot im Karree ist für das Gebäude keine Tiefgarage vorgesehen. Das brennt zum Beispiel Anwohnerin Gabi Flügel unter den Nägeln: „Ich kann mir nicht vorstellen, wo die Autos der Mieter stehen sollen. Auf dem Gelände ist kein Platz.“

Dazu sagt Nünthel: „Seitdem die Berliner Bauordnung geändert wurde, können wir vom Bauherren nicht mehr verlangen, dass er auf seinem Gelände Stellplätze nachweist.“ Doch Papendieck beruhigt: „Bisher sind ungefähr 60 Plätze vorgesehen, die sowohl von den Kunden als auch den Mietern genutzt werden können.“ Sollten es die Umstände erfordern, denke man darüber nach, eine Tiefgarage zu bauen.

In puncto Lärm bereitet auch der geplante Spielplatz Sorge. Eine Anwohnerin, die Schicht arbeitet, fürchtet um ihren Schlaf: Auf der einen Seite ihrer Wohnung hat sie einen großen Kindergarten – er wurde gerade ausgebaut – auf der anderen Seite soll der Spielplatz des neuen Wohnkomplexes errichtet werden. Papendieck versuchte, auch sie zu beschwichtigen: Der genaue Standort des Spielplatzes stehe noch nicht fest.

Eigentümer, Architekten, potenzieller Bauherr und Bezirk wollen die Belange der Anwohner in der weiteren Planung berücksichtigen. Zudem sollen in vier Wochen die Ergebnisse der Studie vorliegen. Diese werden voraussichtlich in der Bodo-Uhse-Bibliothek, Erich-Kurz-Straße 9, ausgestellt. Ein Termin wird rechtzeitig vom Bezirksamt bekanntgegeben. JK
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