Buch über Tierparkgründer Heinrich Dathe erschienen

Das Profil Dathes ziert das neue Buch. (Foto: Kahle)

Lichtenberg. Anlässlich des 105. Geburtstags Professor Heinrich Dathe (1910–1991), ein Jahr nach dem 60jährigen Bestehen des Tierparks Berlin und ein Jahr vor dem 25. Todestag des Tierparkbegründers erschien kürzlich das Buch „Heinrich Dathe – Zoologe und Tiergärtner aus Leidenschaft“.

Zu seinem 100. Geburtstag veranstalteten seine Geburtsstadt Reichenbach im Vogtland, die Deutsche Gesellschaft für Geschichte und Theorie der Biologie und die Staatsbibliothek zu Berlin ein Gedenkkolloquium und ein wissenschaftliches Symposium, deren Beiträge zusammengefasst und ergänzt wurden. Zu Wort kommen Kollegen, Weggefährten, und Freunde, darunter Tiergärtner, Zoologen, Historiker und Pädagogen.

Die Herausgeber Katrin Böhme, Ekkehard Höxtermann und Wolfgang Viehbahn geben dem Kaleidoskop einen Rahmen. Spannend und allgemeinverständlich wird mit wissenschaftlicher Akribie und kritischer Distanz Leben und Werk des leidenschaftlichen Zoologen und Tiergärtners Heinrich Dathe über wechselnde politische Systeme hinweg beleuchtet. Der Leser taucht ein in eine Biografie mit Brüchen und Widersprüchen und entdeckt völlig neue Seiten an einem Menschen, den er seit Jahren zu kennen glaubt.

Dathes wissenschaftliche Arbeiten reichen von der Vogelkunde und Wildtiererhaltung über die Verhaltensbiologie bis zur Wirbeltierforschung. Seine Lebensaufgabe fand er 1954 in der Entwicklung des Tierparks zum größten europäischen Landschaftstiergarten. Die einmalige Bildungs- und Erholungsstätte, errichtet und getragen mit Unterstützung Tausender Berliner, verbindet historische Parkanlagen und für jene Zeit moderne Tierbauten. Ohne Dathe gäbe es auch das Schloss Friedrichsfelde – damals eine Ruine - heute nicht mehr.

Mit Radio- und Fernsehsendungen begeisterte der Tierparkdirektor unzählige Menschen für Wildtiere und Artenschutz. Buchtitel wie „Im Tierpark belauscht“ oder „Erlebnisse mit Zootieren“ erlebten zahlreiche Auflagen. Über 70 Millionen Menschen wussten das bis zur Wiedervereinigung mit ihrem Besuch im Tierpark zu würdigen.

Nach dem Betritt der DDR zur Bundesrepublik drohte auch dem Tierpark das Aus. Dathe stand damals einer möglichen feindlichen Übernahme und Abwicklung im Wege, deshalb wurde er, einhergehend mit Intrigen und einer medialen Schmutzkampagne, zwangspensioniert. In dem Betrag „Abwicklung im Reich der Tiere“ beschreiben Ekkehard Höxtermann und Armin Geus detailliert dieses finstere und zugleich spannende Kapitel der Tierpark-Geschichte.

Dathe war nicht unumstritten. Dennoch, die für ihn 1990 schmerzhafte und entwürdigende Entlassung und Diskussionen um seine frühere Zugehörigkeit zur Nazipartei verstellen zuweilen den Blick auf eine Lebensleistung, die bei aller Kritik an der Persönlichkeit Dathes nach Auffassung der Herausgeber bestehen bleibt. Wie schreibt doch Holger Dathe über seinen Vater: „Tatsächlich war er nicht rechts und nicht links, er war weder Nazi noch Kommunist, auch nichts dazwischen, er war die Institution Heinrich Dathe. Ein idealistischer Pragmatiker und pragmatischer Idealist“. m.k.

Katrin Böhme, Ekkehard Höxtermann, Wolfgang Viebahn (Hrsg.), "Heinrich Dathe – Zoologe und Tiergärtner aus Leidenschaft"; Biologiehistorische Symposien; Basilisken-Presse; Rangsdorf 2015; 335 Seiten; ISBN 978-3-941365-14-8; 29 Euro.
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