Denkwürdiger Auftritt des SEZ-Eigentümers im Ausschuss

Gebäudeklotz mit Hochhaus. Rainer Löhnitz zeigt eine seiner zahlreichen Planskizzen, mit denen er im Stadtplanungsausschuss vorstellig wurde. (Foto: privat)

Friedrichshain. "Mit dem SEZ kann ich machen, was ich will. Ich könnte das Grundstück sofort verkaufen und hätte das schon vor zehn Jahren gekonnt." Und der Erlös würde in seine Tasche fließen.

Aussagen von Rainer Löhnitz, Eigentümer des Sport- und Erholungszentrums an der Landsberger Allee am 19. November im Stadtplanungsausschuss. Löhnitz hat das Gelände 2003 für den symbolischen Preis von einem Euro bekommen, ohne dass er zu entsprechenden Gegenleistungen verpflichtet worden wäre.

Sein Auftritt im Ausschuss stand eigentlich gar nicht auf der Tagesordnung. Erst wenige Stunden vor Beginn bat Baustadtrat Hans Panhoff (Bündnis 90/Grüne) das Thema SEZ mit ihm zu behandeln. Wie berichtet, will Löhnitz das Gebäude abreißen und einen Komplex aus Wohnungen, Sport-, Freizeit- und Gesundheitsangeboten errichten. Der Bezirk wehrt sich. Zuletzt erließ die BVV eine Veränderungssperre.

Aber vielleicht hat es inzwischen eine Annäherung gegeben, so der erste Gedanke, als der Eigentümer zu seiner Rede ansetzte. Löhnitz behauptete sehr schnell, dass er hier Baurecht nach Paragraf 34 Baugesetzbuch habe. Der besagt, dass ein Bauvorhaben genehmigt werden muss, wenn es sich vor allem an benachbarten Bestandsgebäuden orientiert. Auch das Stadtplanungsamt sei dieser Meinung. Was dessen Leiter Matthias Peckskamp so nicht stehen lassen wollte. Er habe nur darauf hingewiesen, dass dieser Paragraf anwendbar ist, wenn über eine bestimmte Baumasse nicht hinausgegangen wird.

Danach sah es aber bei den Planskizzen nicht aus, die Rainer Löhnitz vorzeigte. Vielmehr vermittelten viele das Bild eines Mini-Manhattan. Und die Nachbarschaft wurde von ihm ebenfalls sehr großzügig definiert. Zum Beispiel die Hochhäuser am gut einen Kilometer entfernten Platz der Vereinten Nationen.

Trotzdem war der Eigentümer sehr zuversichtlich. Er führe bereits Gespräche mit dem Senat. Sogar Staatssekretär Engelbert Lüdke Daldrup sei involviert.

Sollte er aber auch dort ausgebremst werden, dann könnte er das SEZ von heute auf morgen dichtmachen, erklärte Löhnitz. Das Material für einen Zaun um das Grundstück habe er bereits eingelagert. Interessenten für die Fläche gebe es genug. Das Land Berlin würde beim Verkauf leer ausgehen. "Es ist meins", zeigt er eine lange Nase. Zwischen Ärger und Sarkasmus bewegten sich die Reaktionen. Der Ausschussvorsitzende John Dahl (SPD) war sauer, dass ihm Löhnitz überhaupt in die Tagesordnung gedrückt wurde. "Wir haben nur Zeit vergeudet", fand er. "Denn unser Standpunkt ist klar." Nämlich die Pläne zu verhindern und das SEZ möglichst vor dem Abriss retten.


Thomas Frey / tf
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