Zuschuss vom Bezirk für Obdachlosenpraxis ist für 2015 nicht gesichert

Kranke Obdachlose bekommen in der Praxis am Ostbahnhof Hilfe. (Foto: Gebeweo)

Friedrichshain. Gegenüber dem Ostbahnhof am Stralauer Platz 32 gibt es eine Arzt- und Zahnarztpraxis für Obdachlose. Ihr Betrieb wurde bisher unter anderem durch Zuschüsse aus dem Bezirkshaushalt gesichert. Für 2014 überwies das Sozialamt 35.700 Euro an die Einrichtung. Zuvor waren es knapp 40.000 Euro. Eine Unterstützung auch im kommenden Jahr ist allerdings wegen der Haushaltssperre in Friedrichshain-Kreuzberg gefährdet.

Mitte Oktober habe der Träger Gebewo um eine verbindliche Zusage für 2015 gebeten, erklärte Sozialstadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke). "Wir mussten ihm mitteilen, dass das wegen der finanziellen Situation des Bezirks derzeit nicht möglich ist."

Was die Gebewo vor Probleme stellt. "Wir brauchen Planungssicherheit", sagt Geschäftsführer Robert Veltmann. Insgesamt benötigt die Praxis pro Jahr rund 200.000 Euro. Rund die Hälfte davon, nämlich 109.000 Euro kommt von der Senatsverwaltung für Soziales. Etwa 50.000 Euro muss der Träger über Abrechnungen bei der Kassenärztlichen Vereinigung, Spenden und Eigenmittel erwirtschaften. Kommt kein Geld aus Friedrichshain-Kreuzberg bedeute das natürlich eine Lücke, die nicht ohne weiteres zu schließen ist, erklärt Robert Veltmann.

Laut Mildner-Spindler gebe es inzwischen Gespräche mit der Sozialverwaltung, um sie zu einem höheren Anteil zu bewegen. Auch der Geschäftsführer ist dort inzwischen vorstellig geworden. So wie es aussieht, wird der Senat zusätzlich 20.000 Euro beisteuern. Bleiben noch knapp 20.000 Euro aus dem Bezirk. Aber auch die können aktuell nicht definitiv zugesagt werden. Gibt es weniger Geld käme die Einrichtung um Einschränkungen nicht herum. "Wir müssen natürlich alle Szenarien durchspielen. Kürzere Öffnungszeiten ebenso, wie weniger Personal."

Zwischen Januar und September kamen rund 1000 Patienten in die Praxis. Insgesamt gab es in diesem Zeitraum 4000 Behandlungen. Zum Angebot gehören auch eine Kleiderkammer, Waschgelegenheiten sowie eine Essenversorgung. Aktuell arbeiten dort ein Arzt, zwei Krankenschwestern und eine Zahnarzthelferin. Außerdem mehrere ehrenamtliche Ärzte und Zahnärzte.

Der Stadtrat habe ihm versichert, dass er alles tun werde, um die Unterstützung aus dem Bezirk zu sichern, sagt Robert Veltmann. Das mag sein. Aber so lange die Haushaltssperre weiter besteht, sind ihm die Hände gebunden.


Thomas Frey / tf
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