Lottomittel für Pilotprojekt: Johannesstift plant "Schule ohne Grenzen"

Francke-Schulleiterin Dr. Adrienne Biermann (2. von rechts) und Physiotherapeutin Maria Asamoah zeigen Raed Saleh (links) und Martin von Essen Hilfsmittel für Schüler mit Behinderungen. (Foto: Christian Schindler)

Hakenfelde. Das Evangelische Johannesstift erhält Lottomittel für den Start eines weltweiten Pilotprojektes zum Thema Inklusion: In der „Schule ohne Grenzen“ werden Kinder mit schwersten Behinderungen am Regelunterricht beteiligt.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus und Vorsitzende der SPD Spandau, Raed Saleh, besuchte am 7. Oktober in seiner Eigenschaft als Mitglied des Stiftungsrates von Lotto Berlin das Evangelische Johannesstift, Schönwalder Allee 26. Im Gepäck hatte er eine frohe Botschaft für dessen Vorstandsvorsitzenden Martin von Essen. Das Evangelische Johannesstift erhält für seine geplante „Schule ohne Grenzen“ Lottomittel – zwei Millionen Euro als Förderung, eine weitere Million als zinsloses Darlehen.

Die Schule ohne Grenzen soll ein Neubau werden, in dem jeweils eine Klasse der August-Hermann-Francke-Schule und der Evangelischen Schule Spandau gemeinsam in den Jahrgängen eins bis sechs unterrichtet werden. Mit dem weltweit einmaligen Pilotprojekt soll Kindern mit schwersten Behinderungen, wie sie an der August-Hermann-Francke-Schule betreut werden, eine möglichst weitgehende soziale Teilhabe ermöglicht werden.

Die Kosten für den Neubau, der den Bedürfnissen von Menschen mit und ohne Behinderungen gerecht werden soll, belaufen sich auf rund 13,5 Millionen Euro. Mit der Lotto-Zusage ist davon jetzt die Hälfte gesichert. Martin von Essen ist zuversichtlich, auch die andere Hälfte zeitnah zusammen bringen zu können. Die „Schule ohne Grenzen“ soll 2018 ihren Betrieb aufnehmen.

Für Saleh ist die Schule ohne Grenzen weit über das Evangelische Johannesstift hinaus von Bedeutung. Er stellt sich vor, dass es künftig in Berlin sechs regional verteilte Schulen geben wird, in denen das Prinzip der Inklusion, der möglichst weitgehenden Einbindung von Menschen auch mit schwersten Behinderungen in die schulische Bildung, verwirklicht wird.

Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) besuchte ebenfalls am 7. Oktober im Rahmen seiner Bildungstour die August-Hermann-Francke-Schule, wo zur Zeit 70 Kinder aus 14 Nationen mit Schwerst- und Mehrfachbehinderungen unterrichtet werden. Er sagte bei dem Besuch zu, sich für eine bessere finanzielle Ausstattung des Inklusionsprojekts „Schule ohne Grenzen“ einzusetzen. So erhält die Evangelische Schule Spandau wie andere private Regelschulen auch nur 93 Prozent der Kosten vom Senat erstattet. Doch gerade der Umgang mit Kindern mit schwersten Behinderungen erfordert einen hohen Aufwand an Pflege und Pädagogik. „Hier sollte die Förderung unabhängig vom Träger erfolgen“, sagte Kleebank. CS
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