Der Runde Tisch Hansaplatz beschäftigt sich mit dem Problem der Obdachlosigkeit

Das Einkaufszentrum am Hansaplatz: Durch die aktuelle Situation beklagen Händler bereits einen Umsatzrückgang. (Foto: KEN)
Berlin: Hansabibliothek |

Hansaviertel. Obdachlosigkeit am Hansaplatz ist ein zunehmendes Problem im denkmalgeschützten Quartier, das in diesem Jahr das Jubiläum zu 60 Jahre Interbau 1957 feiert. Der Runde Tisch Hansaplatz hat sich jüngst mit dem Thema beschäftigt. Ergebnis war eine „offizielle Verlautbarung“.

Danach soll es im März ein weiteres Treffen geben, an dem Vertreter der katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius und der Vereine Obdachlosenhilfe Berlin und Gangway für Straßensozialarbeit teilnehmen. Die Obdachlosenhilfe Berlin will in einer gesonderten öffentlichen Veranstaltung am 9. März um 19 Uhr in der Pfarrkirche St. Ansgar, Klopstockstraße 31, über ihre Arbeit informieren.

Vertreter der ehrenamtlichen Obdachlosenhilfe sagten außerdem zu, prüfen zu wollen, ob sie die sonntägliche Essensverteilung an Obdachlose vor dem Spätkauf im Einkaufszentrum am Hansaplatz an einen anderen Ort in der Umgebung verlegen. Zurzeit suchen die Essensausgabe bis zu 50 „Gäste“ auf.

Teilnehmer des Runden Tisches in der Hansabibliothek hatten angeregt, die Essensrationen an die Obdachlosen auf dem Vorplatz der Kirche St. Ansgar zu verteilen. Eine Vertreterin der Obdachlosenhilfe sagte, es gebe in der Frage erste Kontakte zur katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius. Konsens unter den Teilnehmern war zudem, mehr Straßensozialarbeit rund um den Hansaplatz zu fordern. Ihre Finanzierung ist allerdings Sache des Senats. Die der Verlautbarung vorausgegangene Debatte zeigte deutlich den Interessenkonflikt zwischen Gewerbetreibenden am Hansaplatz und der ehrenamtlich organisierten Obdachlosenhilfe. Aggressivität und das Nichteinhalten von „Regeln“ wertete Thorsten Haas, Veranstaltungsmoderator und Präventionsbeauftragter des Bezirksamts Mitte, als Hauptrobleme, die angegangen werden müssten.

Während die Obdachlosenhilfe den Mangel an Hilfsangeboten vor Ort – ein „schwarzes Loch“ – hervorhob und betonte, die Anwesenheit der überwiegend aus Osteuropa stammenden Obdachlosen schlage sich nicht in der Kriminalitätsstatistik der Polizei nieder, beklagten Vertreter des Bürgervereins Hansaviertel die „drastische Zunahme“ der Obdachlosen in den vergangenen neun Monaten. „Sie lassen sich hier nieder, verrichten ihre Notdurft, sind aggressiv und belästigen Passanten.“ Eine Verständigung mit ihnen sei aufgrund von Sprachbarrieren nicht möglich.

Gewerbetreibende im Einkaufszentrum am Hansaplatz erlebten inzwischen einen deutlichen Umsatzrückgang. Das Einkaufszentrum werde weiter destabilisiert. Ein Mitglied der Geschäftsführung des Grips-Theaters sieht in dem Zulauf Obdachloser auf dem Hansaplatz auch eine Folge ihrer Verdrängung vom Hackeschen Markt. KEN
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