Stimmung ist „positiv aggressiv“: Siemens will Dynamowerk in Spandau schließen

Kämpfen für die Mitarbeiter: Klaus Abel, Predrag Savic und Günter Augustat. (Foto: Ulrike Kiefert)
 
Die Siemens AG hat in Siemensstadt mehrere Standorte. (Foto: Ulrike Kiefert)
Berlin: Dynamowerk |

Siemensstadt/Moabit. Die Spekulationen verdichten sich. Laut IG Metall plant Siemens das Dynamowerk in Spandau zu schließen. Damit verlieren 870 Siemensianer ihre Arbeit. Auch im Gasturbinenwerk in Moabit soll es schmerzhafte Einschnitte geben.

Nach langem Bangen scheint es jetzt gewiss: Das Dynamowerk in Siemensstadt soll geschlossen werden. „Dazu gibt es interne Pläne von Siemens“, bestätigte Klaus Abel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Berlin bei einer Pressekonferenz am 10. November. Damit droht dem ersten Siemens-Werk in Berlin nach 111 Jahren das Aus und 870 Mitarbeitern, darunter 150 Ingenieure, über 200 Techniker, Werkstudenten und Azubis, der Verlust ihrer Arbeitsplätze.

Schmerzhafte Einschnitte muss auch das Gasturbinenwerk in Moabit befürchten. Die IG Metall rechnet dort mit dem Abbau „mehrerer hundert Arbeitsplätze“ bei einer Gesamtbelegschaft von rund 2300 Beschäftigten.

Offizielles erst am 16. November

Klaus Abel bezeichnete die Pläne des Siemens-Vorstandes als „skandalös und unverantwortlich“. Denn Siemens habe mit der IG Metall eine Vereinbarung abgeschlossen, die Betriebsschließungen und betriebsbedingte Kündigungen auf unbestimmte Zeit ausschließe. „Sollte diese Vereinbarung gebrochen werden, ist das ein Skandal“, so Abel. Außerdem seien die Berliner Standorte äußerst produktiv und innovativ. In Spandau und Moabit werden Antriebe unter anderem für Förderanlagen gefertigt. Abel kritisierte außerdem, dass der Vorstand die Belegschaften seit Wochen bewusst im Unklaren halte und so Verunsicherung säe. Was konkret geplant ist, sollen die Betriebsräte laut IG Metall erst am 16. November offiziell erfahren.

Harte Kritik äußerte auch Predrag Savic, Betriebsratsvorsitzender im Siemens Dynamowerk. „Unter den Beschäftigten hat sich eine gewisse Wut angestaut.“ Denn die Siemensianer hätten bereits vor längerem eigene Zukunftskonzepte für ihr Werk vorgelegt. Doch die habe sich bei Siemens niemand angeschaut, so Predrag Savic. Die Stimmung unter der Belegschaft nannte der Betriebsratschef „positiv aggressiv“.

Positiv deshalb, weil alle deutschen Siemens-Standorte, auch jene, die nicht betroffen sind, laut IG Metall zum Widerstand und Frontalangriff bereit sind. Das wurde bei der Pressekonferenz im IG-Metall-Haus an der Alten Jakobstraße 149 deutlich. Mit elf Betriebsratsvertretern saß dort geballte Gewerkschaft am Tisch. „Wir können ackern und kämpfen“, sagte Günter Augustat, Betriebsratschef im Gasturbinenwerk. Auch Klaus Abel gab sich optimistisch: „Wir haben einen langen Atem und die Managementpläne von Siemens schon in der Vergangenheit ändern können.“ Die Siemens AG sei ein hochprofitables Unternehmen. Kein Bereich schreibe tiefrote Zahlen, so Abel, und der Siemenschef habe gerade erneut ein Rekordergebnis verkündet.

Für den 17. November kündigte die IG Metall eine große Kundgebung vor der Siemens-Hauptverwaltung an der Nonnendammallee an. Am 23. November treffen sich alle Betriebsräte zur Jahreskonferenz in Berlin. Und ab 8. Januar nach der nächsten Tarifrunde könnte es dann erste Warnstreiks geben.

Hinter die Siemens-Belegschaft haben sich auch der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), und die drei Ministerpräsidenten von Brandenburg, Sachsen und Thüringen gestellt. Gemeinsam warnten sie vor wenigen Tagen vor dem geplanten radikalen Umbau bei Siemens und dem drastischen Stellenabbau vor allem in Ostdeutschland. Bundesweit droht der Verlust von Jobs in vierstelliger Höhe. Betroffen sind neben dem größten Siemens-Standort Berlin auch Ludwigsfelde, Görlitz, Leipzig und Erfurt. Für den Erhalt des Dynamowerks haben sich auch die Spandauer Bundestagsabgeordneten Kai Wegner (CDU) und Swen Schulz (SPD) beim Siemens-Vorstand stark gemacht. uk
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