Michael Barz ist Tierparkfotograf - auch als Rentner

Michael Barz mit einer Praktica, mit der er vor 30 Jahren im Tierpark gearbeitet hat. (Foto: Ralf Drescher)
 
Familienfoto mit Kind und Löwenbaby Anno 1980. (Foto: Barz)

Köpenick. Michael Barz wohnt immer noch in dem Haus im Märchenviertel, in dem er vor 70 Jahren geboren wurde. Einen großen Teil seines Lebens hat er jedoch in Friedrichsfelde verbracht, als Tierparkfotograf.

Schon als Kind mochte er Tiere, seine Mutter freute sich über mitgebrachte Molche oder einen Hamster. "Als junger Mann war ich im Tierparkjugendklub in der Arbeitsgemeinschaft Fotografie. Dort lernte ich Tierparkfotograf Werner Engel kennen. Er streifte mit uns durch die Friedrichsfelder Anlagen und zeigte, wie man die Tiere ins richtige Licht setzt", erzählt Michael Barz.

Von Beruf war er inzwischen Schneidergeselle. Zu Beginn der 60er-Jahre brauchte Tierparkfotograf Engel aber einen Mitarbeiter für den Fotostand am Kinderzoo. Dort konnten sich Besucher mit Löwenbabys ablichten lassen. "Engel sprach mich an. Ich dachte zuerst, dass sollte ein Job nur für eine Saison sein. Er wollte mich aber auf Dauer und zahlte auch etwas besser als der Herr Schneidermeister, so wechselte ich als Fotografengehilfe in den Tierpark", sagt Barz. Sein Job war es, die Löwenbabys aus dem Stall zu nehmen und auf den Schoß der zu Porträtierenden zu setzen. Auf dem Weg vom und zum Arbeitsplatz radelte er an Tiergehegen vorbei und lichtete deren Bewohner ab. Ein paar Jahre später durfte er am Fotostand auch zur Kamera greifen, und außerdem hat er 1968 die Tochter des Chefs, seine Marlis, geheiratet. Im Jahr 1981 ging Werner Engel in den Ruhestand und überließ Tochter und Schwiegersohn das Geschäft, zu dem auch ein Labor in Friedrichshain gehörte. "Als privater Handwerksbetrieb waren wir für zehn Mitarbeiter verantwortlich", erzählt Michael Barz.

Und Verantwortung trug er auch für jeweils vier Löwen. Die Fotoobjekte musste er in Zoos für je 1000 Mark kaufen und mit der Flasche aufziehen. Mit sechs Wochen durften sie dann vor die Kamera. "Im Alter von neun Monaten war die Modelkarriere beendet, da wurden die Löwen einfach zu groß und damit zu gefährlich", sagt Barz. Nach ihrer Fotokarriere musste er sie kostenlos an andere Tierparks oder Zoos in der DDR abgeben. Für die Fotografen war es trotzdem ein gutes Geschäft. Drei Fotos kosteten fünf Mark, die Tierparkbesucher standen Schlange, um vor allem ihre Kinder mit Löwen auf dem Schoß ablichten zu lassen. Obwohl die Kätzchen sich gelegentlich an ihre Herkunft als Raubtier erinnerten, gab es keine gravierenden Schäden. "Nur gelegentlich eine zerrissene Strumpfhose oder ein angepinkeltes Hosenbein", erinnert sich Fotograf Barz.

Mit der Wende war Schluss mit dem Geschäft. Die Zahl der Tierparkbesucher ging zurück und als statt der fünf Ostmark für drei Fotos in Schwarz-weiß plötzlich 18 D-Mark für Farbbilder fällig waren, versiegte auch die Schlange der Wartenden. "Außerdem hatten die Tierschützer Friedrichsfelde schnell als Angriffsziel erkannt und auch unsere Fotolöwen ins Visier genommen, 1992 habe ich die Firma geschlossen", berichtet Michael Barz.

Dem Tierpark ist der Fotograf jedoch auch als Rentner treu geblieben. Eine Ehrenkarte sichert im den Zugang und die Kamera ist immer dabei. Seine Bilder erscheinen unter anderem in der gemeinsam von der Berliner Woche und den Förderern der Hauptstadtzoos heraus gegebenen Zeitung "Berliner Tiere". Und einmal pro Woche sorgt Michael Barz als tüchtiger Verteiler dafür, dass seine Nachbarn im Märchenviertel nahe dem Bahnhof Köpenick auch diese Ausgabe der Berliner Woche erhalten.


Ralf Drescher / RD
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