Trauerweide sorgte für Tumult: Am Fraenkelufer gibt es neuen Ärger

Was von zwei Trauerweiden übrig blieb. (Foto: Gisela Bosse)
 
Abholzaktion an der Schneckentreppe. (Foto: Gisela Bosse)
Berlin: Fraenkelufer |

Kreuzberg. Der abgeholzte Baum Nummer 25 war der größte Aufreger in der jüngsten Bezirksverordnetenversammlung (BVV).

Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich eine Trauerweide, die, ebenso wie ein Gewächs derselben Gattung (Baum Nummer 24), der Kettensäge anheimgegeben wurde.

Angefeuert wurde der Ärger über den Kahlschlag aber vor allem wegen des bisherigen Weidenstandorts. Der befand sich an der Schneckentreppe unweit des Fraenkelufers. Das bedeutete bereits ein Politikum, denn dieser Abschnitt entlang des Landwehrkanals soll umgestaltet werden. Dagegen wehrte sich eine Anwohnerinitiative (wir berichteten mehrfach). Höhepunkt ihres Protests war ein Bürgerentscheid im vergangenen November, der einen Stopp des Umbaus nach den bisherigen Plänen verlangte. Er erreichte allerdings nicht das erforderliche Quorum und war deshalb erfolglos.

Aber auch nach diesem Votum beobachten die Anwohner genau, was sich am Fraenkelufer tut und sehen jetzt beim Vorgehen gegen eine Weide Willkür des Bezirksamts am Werk. Denn während Baum 24 wirklich bereits stark verfault und deshalb nicht zu retten war, sei das bei seinem Nachbarn nicht der Fall gewesen, meinen Mitglieder der Initiative. Sie verweisen dabei auch auf die Ergebnisse eines Gutachters vom 8. Februar. Der hat ihnen außerdem nach dem Verlust dieser Trauerweide noch einmal bestätigt, dass das "nicht abgestimmt gewesen wäre".

Das musste dann auch Baustadtrat Florian Schmidt (Bündnis 90/Grüne) beim Nachhaken im Rahmen einer Einwohneranfrage einräumen. "Baum Nummer 25 hätte nicht gefällt werden dürfen." Da sei bei der beauftragten Firma ein Fehler passiert. "Ich kann mich dafür nur entschuldigen."

An ein Versehen glauben die Freunde des bestehenden Fraenkelufers aber nicht, sondern wittern Methode. Als Beleg dient ihnen dabei auch ein Auszug aus der Baumfällliste des Grünflächenamtes, wo beide Weiden aufgeführt waren. Das Duo, so ein weiterer Vorwurf, habe den Umgestaltungsplänen im Weg gestanden. Weshalb dann auch noch ganz großes Besteck aufgefahren wurde – die suggerierte Unterstellung eines eventuell manipulierten Bürgerentscheids. So formuliert als Überschrift zu den Einwohneranfragen, die eher Anklagen darstellten. Die Argumentationskette ging dabei so: Der Bezirk habe im Vorfeld der Abstimmung betont, dass keine Bäume gefällt werden müssten. Jetzt sei das doch geschehen. Vielleicht hätten aber die Aussagen der Verwaltung manche Menschen davon abgehalten, beim Bürgerentscheid mitzumachen. Deshalb liege hier möglicherweise eine Täuschung vor.

Der Verlust der Trauerweiden habe nichts mit den Planungen zu tun, entgegnete wiederum Stadtrat Schmidt, sondern es ging, zumindest bei Nummer 24, um dessen Schadhaftigkeit. Er vergaß auch nicht zu erwähnen, dass der Bürgerentscheid ziemlich deutlich gescheitert sei. Nur etwas mehr als acht Prozent der Abstimmungsberechtigten hätten sich daran beteiligt. Von denen haben dann rund drei Viertel gegen die Bezirkspläne gestimmt. Ausführungen, die auch nicht unbedingt für abnehmenden Ärger sorgten. tf
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