Werkstattverfahren zur Umgestaltung des Mehringplatzes

Wann der Mehringplatz zu einem Schmuckplatz werden kann, hängt auch davon ab, wie lange die schier unendlichen Tunnelarbeiten der BVG dort noch andauern. (Foto: Frey)
 
(Foto: Frey)

Kreuzberg. Ringstraße - so heißt der Prachtboulevard in Wien, der rund um die Innenstadt führt. Auch Leipzig hat seinen Ring. Und jetzt auch Kreuzberg.

Zumindest wurde beim Werkstattverfahren zur landschaftsplanerischen Umgestaltung des Mehringplatzes am 18. Mai der äußere Kreis um die Anlage mit diesem Namen versehen. Darin steckt natürlich bereits eine Aufwertung. Um die ging es nicht nur an diesem Abend.

Der Mehringplatz und seine Umgebung sollen schöner und attraktiver werden. Schon in der Vergangenheit gab es einige Schritte in dieser Richtung. Ihnen soll in den kommenden Jahren ein größerer Wurf folgen. Möglichst parallel zu den ebenfalls geplanten baulichen Veränderungen in der südlichen Friedrichstadt. Und begleitet von einer breiten Bürgerbeteiligung.

Bewohner und Gewerbetreibende, Jugendliche und Senioren, Migrantenvereine oder Stadtteilmütter wurden bereits in den vergangenen Wochen nach ihren Wünschen befragt. Sie sollten auch Auskunft geben, wie sie die aktuelle Situation einschätzen und was sie besonders stört. Auf diesen Interviews baute jetzt der Workshop auf, der bereits konkrete Vorstellungen und Ziele formulierte.

Wobei das natürlich schwieriger war, als die Beschreibung des Ist-Zustandes. Dass der Mehringplatz noch immer einen wenig repräsentativen Eindruck macht, war ebenso Konsens wie der Ärger über Müll, Ratten oder Hundekot. Dunkle und unwirtliche Ecken müssten verschwinden, wozu auch das Zurechstutzen mancher Bäume oder Büsche beitragen könne. Auch die Öffnung weiterer Zugänge wurde ins Spiel gebracht. Keinen Widerspruch fand auch die Idee, die vorhandenen Durchgänge, die auf das Platzrondell führen, attraktiver zu gestalten. Auch Verkaufsstände könnte es dort geben.

Das Zentrum der Anlage soll zwar als Schmuckplatz gestaltet werden, allerdings auch eine hohe Aufenthaltsqualität bieten. Plädiert wurde für mehr Grün und weniger Beton. Um den Brunnen mit der Engelstatue könnte zum Beispiel ein Rosenbeet angelegt werden - schon um dadurch Vandalen abzuhalten, die ihren Unrat im Becken entsorgen.

Ein Grünstreifen wurde auch entlang des "Rings" vorgeschlagen. Dadurch werde er gleichzeitig in einen Abschnitt für Passanten und eine Fläche direkt vor den Läden geteilt. Für Lokale gebe es dann die Möglichkeit, weitere Außenplätze anzubieten. Auch das sorge für mehr Flair.

Wer sich wiederum auf dem öffentlichen Straßenland in welcher Form bewegen soll, war dagegen umstritten. Neben Fußgängern auch Radfahrer und sogar Skater, schlug eine Gruppe vor. Andere würden die Zweiradpiloten dagegen am liebsten weitgehend vom Mehringplatz fernhalten. Denen sei, anders als Menschen, die nur mit den eigenen Beinen unterwegs sind, der eine oder andere Umweg zuzumuten. Auch Radler gehörten zur Laufkundschaft, so die Gegenmeinung. Einigkeit bestand wiederum darin, nicht nur auf dem Ring, sondern auch am Eingang der Friedrichstraße keine extra Fahrradstreifen einzurichten.

Dafür soll es bunter werden. Gedacht ist an unterschiedlichen Asphalt oder spezielle Farbmarkierungen. Das trage bereits zu einem anderen Gesamtbild bei.

Dafür, dass sehr unterschiedliche Meinungen und Interessen aufeinander trafen, waren die Ergebnisse am Ende sogar einigermaßen konkret. Eine kurze Debatte entzündete sich am Ende aber noch über den weiteren Umgang mit der Trinkerszene am Südwestrand des Mehringplatzes. Auch mit diesen Nutzern hatte es im Vorfeld Gespräche gegeben. Sie wären zufrieden, wenn man ihnen weiter einen Raum lässt. Allerdings stößt das nicht bei allen Anwohnern auf Wohlwollen. Viele folgten allerdings eher der Argumentation von Matthias Peckskamp, dem Leiter des Stadtplanungsamtes: "Diese Menschen sind nun einmal da und lassen sich auch nicht vertreiben. Da ist es doch besser, ihnen einen Platz anzubieten."

Aus den formulierten Wünschen sollen Landschaftsplanungsbüros jetzt einen konsensfähigen Entwurf erarbeiten. Sie müssen dabei auch noch andere Fragen berücksichtigen, etwa die des Denkmalschutzes. Die Ergebnisse sollen voraussichtlich zum Jahresende vorliegen.


Thomas Frey / tf
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