Bürger kritisieren Konzentration von Flüchtlingsheimen in Lichterfelde

Lichterfelde. Der Bürgersaal im Rathaus Zehlendorf war selten so gut gefüllt. Geduldig hörten sich die Bürger die Allgemeinplätze des Podiums zur Flüchtlingspolitik an. Eine halbe Stunde lang. Dann äußerten sie ihren Unmut durch laute Zwischenrufe.

"Wir wollen konkrete Dinge wissen und darüber diskutieren", meldeten sich vor allem Anwohner des Ostewegs am 7. November beim interkulturellen Dialog. Sie sind aufgebracht über die zwei neuen Containerdörfer in Lichterfelde für insgesamt rund 650 Flüchtlinge. Eine der beiden Unterkünfte soll mitten im Wohngebiet direkt neben eine Kita gebaut werden. Viele Anwohner haben Angst vor der Vorstellung, zukünftig mit rund 340 Flüchtlingsfamilien in unmittelbarer Nachbarschaft zu leben.

Kritisch merkten Bürger an, dass sich alle Unterkünfte des Bezirks in Lichterfelde befinden. In einem Umkreis von nur wenigen Kilometern. Ein Teil der Anwohner wehrt sich gegen eine "extreme Konzentration von Flüchtlingen" und spricht von einer "Last".

Kritisiert wurde zudem die mangelnde Information von Seiten der Behörden. Dadurch erweise man den Flüchtlingen einen Bärendienst, sagte der Leiter der Mc-Nair-Kita. "Die Anwohner haben Angst. Ob das berechtigt ist, sei dahingestellt. Aber es müssen alle mit ins Boot geholt werden", betont er.

So sorgen sich die Anwohner um die Beschulung der Flüchtlingskinder. Am Osteweg wird mit rund 90 Schulkindern gerechnet. Schon jetzt wären die Schulen voll. Eine anwesende Schulrätin sieht indes keine Probleme. Es werden Willkommensklassen gebildet, die Kapazitäten seien da und Lehrer stellt der Senat. Sie appellierte, weniger Unmut zu zeigen. "Wir brauchen Mut. Und den können wir uns leisten", betonte sie.

Auf die Chance, verschiedene Kulturen kennenlernen zu können, wies Suada Dolovac von der Betreiberfirma der Flüchtlingsunterkünfte Goerzallee und Klingsorstraße hin. Sie schilderte die guten Erfahrungen an diesen beiden Standorten. "Die Flüchtlinge haben täglich Kontakt mit Bürgern des Bezirks, die mit Spenden helfen oder sich ehrenamtlich engagieren."


Karla Menge / KM
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