Moschee im Märkischen Viertel: Islamische Föderation plant Bildungszentrum

Tonar Adom und Imam Ahmet Basri. (Foto: Christian Schindler)
 
Schriftzeichen und ein prächtiger Leuchter: Das Innere der Medina-Moschee. (Foto: Christian Schindler)
Berlin: Medina-Moschee |

Märkisches Viertel. In der Finsterwalder Straße 4 hat sich die Medina-Moschee unter dem Namen Kulturzentrum Wittenau etabliert. Es soll zu einer Art islamischen Zentrum wachsen.

Wo noch vor ein paar Jahren ein Supermarkt stand, wird heute gebetet. Imam Ahmet Basri kann sich über mehr als hundert Gläubige freuen, die mit ihm das Freitagsgebet um 13 Uhr verrichten. Am 7. Juli war auch eine Gruppe aus der evangelischen Apostel-Johannes-Gemeinde zu Gast.

Der Besuch sorgte erst einmal für Verwirrung: Am Gebet der Männer dürften die Frauen nicht teilnehmen, kam im Vorfeld eine Mitteilung aus der Moschee. Das führte dann dazu, dass mehrere Ehepaare den Besuch wieder absagten. Dann gab es den Kompromiss, dass die Frauen aus der Besuchergruppe das Gebet von einem Nebenraum verfolgen konnten.

Iman Basri predigt auf Türkisch, Arabisch und Deutsch, wobei der deutsche Teil zeitlich der kleinste ist. Basri spricht vom Propheten Mohammed als dem moralischen Vorbild, dem jeder Gläubige nacheifern solle. Aufrichtigkeit und Friedfertigkeit sind danach die Tugenden, die in der Nachfolge des Propheten zu vervollkommnen seien.

Als der Gottesdienst zu Ende ist, lädt Imam Basri alle Gäste, auch die Frauen, zur Besichtigung in die Moschee ein. Er erklärt arabische Schriftzeichen und Gewänder, aber auch seine praktische Arbeit. Er ist geistlicher Beistand wie auch praktischer Helfer, zu ihm kommt man auch, wenn man eine neue Arbeit sucht.

Tonar Adom, der als türkischer Geistlicher für die Islamische Föderation, der auch die Medina-Moschee angehört, den Moscheebesuch mit begleitet, macht dann deutlich, dass die Moschee für einen konservativen Islam steht. Frauen hätte die Pflicht, ein Kopftuch zu tragen. Natürlich könne er niemanden zum Tragen des Stoffes zwingen, eine Frau, die dies nicht tue, müsse das selbst mit Allah ausmachen. Die Islamische Föderation gilt auch als Berliner Landesverband der islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, die immer mal wieder im Focus von Verfassungsschutzbehörden stand, weil ihr Verständnis von Islam im Widerspruch zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehe. Das Bundesamt für Verfassungsschutz bestätigt allerdings auch, dass Milli Görüs Gewalt ablehnt.

Im Gespräch mit den Reinickendorfer Nachbarn geht es dann auch eher um alltägliche Probleme. So beklagt eine Anwohnerin, dass es im Fastenmonat Ramadan auf dem Moscheegelände sehr lange sehr laut geworden sei, wenn nach dem Einbruch der Dunkelheit das Fastengebot nicht mehr gelte. Basri und Adom betonen, dass dies dem Vorstand der Moschee bekannt sei, und dass man darauf reagieren werde. Auch die Autos der Gläubigen, die rund um das Freitagsgebet schon mal die umliegenden Straßen verstopfen, seien schon Gegenstand von Ermahnungen des Imam gewesen.

Mit der Herrichtung der Moschee sind die Bauarbeiten auf dem Grundstück, das sich bis zum Wilhelmsruher Damm erstreckt, nicht zu Ende. So soll das dortige Einfamilienhaus einer Bildungseinrichtung weichen, vielleicht auch einer Unterkunft für Studenten. Über die Baukosten äußern sich die Geistlichen zurückhaltend. Vieles sei mit Hilfe von Spenden erreicht worden, dazu komme ein Kredit von 700.000 Euro. Und ansonsten gelte: Besucher sind immer willkommen. CS
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