Michael Lengwenings ist für Sicherheit von 750.000 Bürgern verantwortlich

Michael Lengwenings, 53, hat eine Ausbildung bei der Schutzpolizei hinter sich, war bei der Polizeiwache am Flughafen Tegel tätig und sieben Jahre lang im Stab des Polizeipräsidenten verantwortlich für die Einsatzplanung, die Kriminalitätsbekämpfung sowie für den Verkehrsbereich. 2012 übernahm er als leitender Polizeidirektor den Stab der Polizeidirektion 6. Er folgte im Dezember Direktionsleiter, Michael Knape, der in den Ruhestand gegangen ist.

Marzahn-Hellersdorf. Michael Lengwenings (53) ist seit Dezember Leiter der Polizeidirektion 6. Sie ist für die Bezirke Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Treptow-Köpenick zuständig. Mit dem Direktor beim Polizeipräsidenten sprach Berliner-Woche-Reporter Harald Ritter.

Herr Lengwenings, als Sie die Ernennungsurkunde für Ihre neue Aufgabe bekamen, was ging Ihnen da durch den Kopf?

Michael Lengwenings: Ganz kurz der Gedanke an meine Laufbahn. Als ich 1980 bei der Westberliner Polizei meine Ausbildung aufnahm, war nicht daran zu denken, dass ich einmal für die Sicherheit der Bürger in drei großen Bezirken im östlichen Teil Berlins verantwortlich sein werde.

Sie kennen diese drei Bezirke inzwischen gut. Seit 2012 leiteten Sie den Stab der Direktion. Wie würden Sie die Direktion beschreiben, wenn ein Außenstehender Sie befragte?

Michael Lengwenings: Wir tragen Verantwortung für die Sicherheit von rund 750.000 Berliner Bürgerinnen und Bürgern. Im Vergleich der deutschen Städte lägen die drei Bezirke zusammengenommen auf Platz 5, noch vor Frankfurt am Main. Da kommt an Problemen alles zusammen, was man als Polizist in einer Großstadt dieser Größenordnung nur haben kann.

Was sind die Schwerpunkte der Polizeiarbeit in der Direktion?

Michael Lengwenings: Die Bekämpfung der Kriminalität, insbesondere die Kraftfahrzeugdiebstähle, die Tuningszene, also die Wettrennen auf Bundesstraßen wie der B1/B5 etwa in Mahlsdorf, und die Sicherheitslage bei Sportereignissen wie Fußballspielen, etwa des 1. FC Union in der Alten Försterei.

Wie sieht das bei der Sicherheit an Flüchtlingsunterkünften und den Demonstrationen von Heim-Befürwortern und Heim-Gegnern aus?

Michael Lengwenings: Das beschäftigt uns natürlich auch und zunehmend. Wobei, wenn ein Asylbewerberheim erst einmal eingerichtet ist, dann beruhigt sich die Lage relativ schell. Das ist so, weil die Anwohner merken, dass die Flüchtlinge nicht mehr Kriminalität in den Kiez bringen. Bei den Demos sind in der Direktion hauptsächlich die Führungskräfte gefragt, zum Einsatz kommen zum größten Teil Kräfte der Bereitschaftspolizei.

Der Rektor der Alice Salomon Hochschule erhob jüngst schwere Vorwürfe gegen die Einsatzkräfte der Polizei in Marzahn. Er sagt, die Polizisten schützten die Demonstranten, die für das Recht auf Asyl demonstrieren zu wenig und prügelten auf diese stattdessen ein. Was sagen Sie dazu?

Michael Lengwenings: Unsere Aufgabe ist es, das Demonstrationsrecht für alle zu garantieren. Das bringt uns automatisch zwischen die Fronten. Der Rektor spielt auf einen Vorfall im Dezember an. Im Anschluss an eine der sogenannten Montagsdemos auf dem S-Bahnhof Mehrower Allee hatten, soweit mir bekannt ist, Polizeibeamte zwei Straftäter festgenommen und mussten sich danach Angriffen seitens linker Demonstranten erwehren. Aber ich schließe nicht aus, dass es immer mal zu Fehlern auch bei Polizisten kommen kann. Dann wäre ich der Letzte, der das nicht zugeben würde.

Wenn man Menschen befragt, äußern viele, dass ihnen das Gefühl von Sicherheit verloren gegangen ist. Wie viele Beamte brauchten Sie mehr, um das Gefühl von Sicherheit bei den Bürgern zu stärken?

Michael Lengwenings: In der Direktion unterstehen mir rund 2000 Mitarbeiter. Das ist nicht zu viel, aber es wäre unrealistisch, wesentlich mehr zu verlangen.

Noch einmal konkret: Wie wollen Sie beispielsweise das Problem der Autodiebstähle in den Griff bekommen?

Michael Lengwenings: Die Großraumparkplätze in den Großsiedlungen laden Autodiebe regelrecht ein und es sind nur wenige Kilometer bis nach Brandenburg und zur polnischen Grenze. An diesen Bedingungen lässt sich nichts ändern. Ich setze darauf, den kombinierten Einsatz von Beamten in Uniform und Zivil zu verstärken und die Einsatzkonzeption zu verfeinern. Jeder Straftäter muss den Eindruck gewinnen, dass die Polizei ihn jederzeit an der Ausübung seines Vorhabens hindern oder sofort ertappen kann. Das gilt auch für andere Kriminalitätsphänomene, ob Gewaltdelikte oder Diebstähle.

Zur Person

Michael Lengwenings (53) hat eine Ausbildung bei der Schutzpolizei hinter sich, war bei der Polizeiwache am Flughafen Tegel tätig und sieben Jahre lang im Stab des Polizeipräsidenten verantwortlich für die Einsatzplanung, die Kriminalitätsbekämpfung sowie für den Verkehrsbereich. 2012 übernahm er als leitender Polizeidirektor den Stab der Polizeidirektion 6. Er folgte im Dezember Direktionsleiter, Michael Knape, der in den Ruhestand gegangen ist.

Harald Ritter / hari
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