Der Schularchitekt des Bezirks: Paul Tarruhn wurde vor 140 Jahren geboren / Seine Bauten prägen den Bezirk

Die Marzahner Dorfschule (heute Bezirksmuseum) wurde nach Plänen von Hans Tarruhn gebaut. (Foto: hari)

Marzahn-Hellersdorf. Die Schulen in den alten Dörfern des Bezirks sind unterschiedlich. Es gibt aber einen Architekten, der an allen seine Handschrift hinterlassen hat. Dieser Architekt heißt Paul Tarruhn (1877-1945).

Tarruhn wurde am 2. Juni vor 140 Jahren in Buckow geboren. Er wäre so gut wie vergessen, wenn ein fleißiger Heimathistoriker aus dem Bezirk sich nicht seines Lebenslaufes und seiner Arbeiten angenommen hätte.

Karl-Heinz Gärtner, Heimathistoriker in Biesdorf, beschäftigt sich mit Tarruhn seit 2011. Er war damals auf den Namen des Baumeisters gestoßen, der Anfang des 20. Jahrhunderts entscheidend auf die Gestaltung von gleich vier Schulgebäuden im Bezirk Einfluss nahm. Das sind die Schiller-Grundschule in Mahlsdorf, die ehemalige Biedorfer Dorfschule (heute Otto-Nagel-Gymnasium), die Achard-Grundschule an der Adolfstraße in Kaulsdorf und den Schulneubau in Alt-Marzahn, das heutige Bezirksmuseum.

Außerdem plante er das Marzahner Gemeindehaus mit dem Feuerwehrdepot und das Feuerwehrdepot an der Donizettistraße in Mahlsdorf.

In einschlägigen Lexika und Geschichtswerken der Architektur lässt sich über Hans Tarruhn kaum etwas finden. „Er gehörte möglicherweise nicht zu den großen Neuerern und er verlagerte seine Tätigkeit in den 1920er-Jahren nach Bulgarien und Rumänien. Dort baute er Häuser für die Deutsche Bank“, erläutert Gärtner.

Die Schulgebäude in den ehemaligen Dörfern von Marzahn-Hellersdorf gehören zu seinen frühen Arbeiten. Ihr Bau fiel in eine Zeit, als die Bevölkerung der damaligen Berliner Randgemeinden enorm wuchs und damit auch die Schülerzahlen. Die erst 1905 fertiggestellt Schiller-Grundschule erhielt zum Beispiel bereits drei Jahre später einen Erweiterungsbau. Den Zuschlag erhielt Paul Tarruhn. Dieser musste sich an der Hülle des im Stile der Neugotik errichteten Haupthauses orientieren. „Er verwendete aber schon anderes Material und baute großzügiger", erklärt Gärtner. Die späteren Bauten seien noch klarer und einfacher in der Form.

Bereits zwei Jahre später bekam Tarruhn den Auftrag von der Gemeinde Biesdorf, eine Schule neu zu bauen. „Wahrscheinlich hat er sich einfach als verlässlich gezeigt und seine Entwürfe haben sich als überzeugend herausgestellt“, sagt Gärtner.

Eines seiner vielen Wohnhausbauten steht noch heute in Berlin-Frohnau, Sigismundkorso 1-2. Es wurde 1922 erbaut. Solche und andere Informationen erhielt Gärtner von heute lebenden Angehörigen des Architekten. Tarruhn selbst starb im September 1945. Sein Grab befindet sich in Waldsieversdorf bei Buckow. hari
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