Die soziale Ungleichheit nimmt zu

Hanna Haupt vom Sozialwissenschaftlichen Institut Berlin-Brandenburg stellt die ersten Ergebnisse der Studie vor. (Foto: hari)

Marzahn-Hellersdorf. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auf. Damit verbunden unterscheidet sich das Lebensgefühl zwischen den Großsiedlungen und den Siedlungsgebieten immer stärker.

Den Menschen höheren Alters im Bezirk geht es meist gut. Sie fühlen sich in ihrer Lebenssituation wohl. 67 Prozent sind mit den Lebensbedingungen in ihrem Wohngebiet zufrieden und sehr zufrieden. Das sind neun Prozent mehr als im Jahr 2010. Dies sind erste Ergebnisse der Studie „50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015“ vom Sommer vergangenen Jahres. An der Umfrage beteiligten sich 1677 von 10 000 angeschriebenen Menschen im Bezirk.

Die Studie benennt auch klare Unterschiede. So äußert sich nur etwas mehr als die Hälfte der Älteren in Marzahn-Nord zufrieden mit dem Leben. In Mahlsdorf sind es 76 Prozent, also drei Viertel der Befragten.

Die meisten Älteren haben vom wirtschaftlichen Aufschwung der zurückliegenden Jahre profitiert. Das durchschnittliche Hauhaltseinkommen hat sich seit 2010 um 400 Euro auf 2300 Euro erhöht. Die Arbeitslosigkeit bei den Älteren zwischen 50 bis 65 Jahren hat sich seit 2005 halbiert. Sie ist von 22 auf elf Prozent gesunken. Das bringt Punkte auch bei künftigen Rentenzahlungen.

Von der Aufwärtsentwicklung abgekoppelt sind viele Seniorenhaushalte in den Großsiedlungen. Hier leben viele Langzeitarbeitslose. Allgemein beträgt die Arbeitslosigkeit in Marzahn-Nord rund 29 Prozent und in Hellersdorf-Nord rund 22 Prozent. In Kaulsdorf und in Mahlsdorf liegt sie bei nur zwei Prozent. Gerade in den Großsiedlungen haben viele Ältere nur eine geringfügige, schlecht bezahlte Beschäftigung. „Wir stellen eine zunehmende soziale Ungleichheit fest“, sagt Hanna Haupt vom Sozialwissenschaftlichen Institut Berlin-Brandenburg.

Mit dem geringeren Arbeitseinkommen wächst das Armutsrisiko. 17 Prozent der Menschen zwischen 50 und 65 Jahren im Bezirk sind davon bedroht. Sie haben eine geringere Qualifikation oder Migrationshintergrund oder sind Alleinerziehende. Wer länger arbeitslos ist, der wird als Rentner mit fast 90-prozentiger Sicherheit zum Sozialfall. hari
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