Der Dreizylinder erobert die Kompaktklasse

Der Dreizylindermotor ist eigentlich ein typischer Antrieb für Kleinwagen wie hier den VW Up. (Foto: Volkswagen)

Aus acht wird sechs, aus sechs wird vier - und aus vier werden nun drei Zylinder. Das Downsizing, bei dem Motoren mit kleinerem Hubraum und meist auch weniger Zylindern auskommen, erreicht nach den Autos der Ober- und Mittelklasse auch Klein- und Kompaktwagen.

"Auf diese Weise lassen sich Gewicht und Reibung des Antriebs reduzieren und so Verbrauch und Emissionen weiter senken", erklärt Prof. Stefan Pischinger vom Institut für Verbrennungskraftmaschinen an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen.In Kleinstwagen wie dem Smart gibt es Dreizylindermotoren schon lange, und auch neuere Stadtflitzer wie der VW Up setzen auf das Motorenkonzept. Doch mit Hilfe von Turboladern lässt sich die Leistung dieser Aggregate soweit steigern, dass sie nun auch in größeren Fahrzeugen eingebaut werden, so Pischinger. Das liege an der gesteigerten "Literleistung": 80 kW (109 PS) seien mittlerweile Standard, sportliche Motoren holten aus einem Liter Hubraum bereits 100 kW (136 PS). Technisch machbar seien bis über 120 kW (163 PS).

Vor allem Ford ist in dieser Hinsicht aktiv: Die Kölner haben ihre sogenannte EcoBoost-Motorenfamilie 2011 um einen 1,0 Liter großen Dreizylinder mit maximal 88 kW (125 PS) erweitert, der mittlerweile in mehreren Modellen bis hin zum Focus angeboten wird. Obwohl der Motor so viel Leistung biete wie ein 1,6 Liter großer Vierzylinder, gehe der Verbrauch um rund 20 Prozent zurück, rechnet Pressesprecher Hartwig Petersen vor. So verbraucht der Focus 1.0 in der günstigsten Kombination 4,8 Liter (CO2-Ausstoß: 114 g/km) und liegt damit fast auf dem Niveau eines Diesels. "Wenn im nächsten Jahr der neue Mondeo an den Start geht, kommt auch er mit drei Zylindern», sagt Petersen.

Ebenfalls große Pläne mit kleinen Motoren hat VW. In der handlichen SUV-Studie Taigun haben die Niedersachsen eine Turboversion ihres Dreizylinders aus dem Kleinwagen Up vorgestellt. Während eine Umsetzung des Mini-Geländewagens noch fraglich sei, werde es den jetzt 81 kW (110 PS) starken Motor bald in Serie geben, sagt Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg. Dabei will er ihn nicht nur in einer Sportversion des Up einbauen lassen: "Der hat auch Kraft genug für den Polo und würde sogar in den Golf passen."

Auch andere Hersteller haben die Vorzüge kleinerer Motoren erkannt. Peugeot hat im Kleinwagen 208 neue Dreizylinder eingeführt, und bei BMW laufen entsprechende Prototypen in der 1er-Reihe. "Dort kommt der Entwicklungsmotor bei 1,5 Litern Hubraum auf rund 132 kW (180 PS)", sagt Pressesprecher Manfred Poschenrieder. Ganz so viel Leistung werde er in der Serie zwar nicht haben. Aber wenn der neue Mini komme, dann mit dem neuen Motor. Nach ihm soll er auch den 1er sowie die Serienfassung der Pariser Studie Active Tourer Concept antreiben.

Gewichtsvorteil und weniger innere Reibung - mit dem Dreizylinder ließen sich tatsächlich nennenswerte Verbrauchseinsparungen erreichen, sagt Motorenbauprofessor Pischinger. Aber die Konstruktion habe auch Nachteile: Dreizylinder tendierten zu einem unruhigeren Lauf, der je nach Konstruktion spezielle Ausgleichswellen erfordere, die wiederum das Gewicht und die Reibung erhöhten.

Und noch etwas gibt Pischinger zu bedenken, was bei vermeintlich schwachen und kleinen Motoren besonders wichtig ist: "Der Verbrauch in Kundenhand hängt wie bei jedem anderen Motor nicht zuletzt von der Fahrweise ab." Nur wenn früh genug hoch geschaltet und der Dreizylinder nicht ständig mit überhöhter Drehzahl gefahren wird, könne man auch in der Praxis damit Sprit sparen.


dpa-Magazin / mag
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