Der Fernseher wird im Schrank versteckt

Tagsüber ist das TV-Gerät bei Gruber+Schlager hinter einer Schiebetür verschwunden, abends wird diese einfach auf die Seite geschoben. (Foto: Gruber+Schlager)

Gäste wundern sich darüber sicher: In vielen Wohnzimmern bekommen sie keinen Fernseher mehr zu sehen, der an der Wand hängt oder im Regal thront.

Ein neuer Trend der Einrichtungsbranche lautet: Wenn der Fernseher nicht gebraucht wird oder ihn etwa Besucher nicht sehen sollen, verschwindet das Gerät. Wohin? In die Schrankwand. Zurück bleibt ein Wohnzimmer ohne sein gewohntes Statussymbol. Der Fernseher sei nicht mehr der Mittelpunkt im Raum, der er einst war, sagt die Trendanalystin Gabriela Kaiser aus Weißdorf (Bayern). Es wurden Lösungen entwickelt, wie die Geräte auf Knopfdruck schnell und einfach verschwinden.Gruber+Schlager oder Tvilum verstecken den Fernseher hinter einer Schiebetür einer offenen Regalwand. Die Tür wird bei Bedarf einfach zur Seite geschoben. Schnepel etwa versenkt das TV-Gerät per Knopfdruck in einer Kommode.

Eine weitere Einrichtungsidee ist so reduziert, dass das Möbelstück den großen Fernseher nicht noch mehr in den Fokus rückt: Das TV-Möbel des Unternehmens Hohrizontal 51 ist nur ein fünf Zentimeter dickes Regalbrett. Der Fernseher wird darüber an die Wand montiert und über USB an das Regal angeschlossen. Die weitere Technik wie Lautsprecher und Kabel ist in dem Brett integriert.

Die derzeit noch am häufigsten gesehene Variante ist aber eine Schrankwand mit sichtbarem TV. Allerdings hat das Gerät seine dominante Stellung in den Regalen verloren: Wie etwa bei Hülsta zu sehen ist, wirkt er wie ein Bild in einer Komposition aus mehreren Einzelelementen, die durch Farbe und Stil Aufmerksamkeit erzeugen. Oder er fügt sich unauffällig in das Gesamtbild ein. Es sollte auf jeden Fall nicht klobig wirken, rät Kaiser.

"Früher waren die Regale tief, weil der Fernseher breit war. Heute können sie schmaler und flexibler sein", erläutert Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. Oder der Fernseher hängt an der Wand, im Regal steht dafür Deko.

Was ist passiert? In den 60er und 70er Jahren war der Fernseher ein Statussymbol. Damals war das ganze Wohnzimmer auf den Fernseher ausgerichtet, alle Möbel zeigten auf ihn. Aber irgendwann hatte jeder einen Fernseher - und dann setze eine Wende ein, erläutert Kaiser. "Heute soll das Zuhause ein Rückzugsort sein, hier will man Stress abbauen. Wer den ganzen Tag unterwegs ist, schaltet den Fernseher noch bewusst ein - wenn man etwa nur die Nachrichten oder einen Film sehen will."


dpa-Magazin / mag
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