Allergiker auf Insektengift brauchen Notfallset

Obst lockt Wespen an - Insektengiftallergiker müssen beim Essen im Freien daher besonders auf der Hut sein. (Foto: Jochen Lübke)

Viele Menschen mögen Bienen und Wespen nicht besonders. Denn wer wird schon gern gestochen? Für einen gar nicht so kleinen Teil der Bundesbürger können diese Insekten sogar lebensgefährlich sein.

Betroffenen reagieren auf das Gift, das bei einem Stich in den Körper gelangt, allergisch - bis hin zum anaphylaktischen Schock. Auslöser einer Insektengiftallergie sind in unseren Breiten vor allem Honigbienen sowie einige Wespenarten. Bei etwa 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung führt ein Stich nicht nur zu normalen Rötungen und leichten Hauterhebungen, sondern zu deutlichen, örtlichen allergischen Reaktionen - zu erkennen an Schwellungen, die im Durchmesser oft größer als zehn Zentimeter sind und länger als 24 Stunden fortbestehen. Diese Form der Insektengiftallergie ist zwar sehr unangenehm, lässt sich aber meist durch feuchte, kühlende Umschläge sowie antientzündliche Cremes gut behandeln und klingt nach einigen Tagen wieder ab.

Doch es kann auch schlimmer sein: "Etwa drei Prozent der Bevölkerung zeigen anaphylaktische Stichreaktionen", erklärt Prof. Bernhard Przybilla von der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. "Typisch sind Beschwerden, die ohne Zusammenhang mit der Einstichstelle auftreten. Sie sind Zeichen einer möglicherweise lebensgefährlichen Situation."

Betroffene verspürten zum Beispiel ein Kribbeln an Handtellern und Fußsohlen, Quaddelbildung am gesamten Körper, Atemnot und Herzrasen. Auch Kreislaufbeschwerden wie Schwindel und Schwächegefühl sind möglich, die meist innerhalb von Minuten bis zu etwa einer halben Stunde nach dem Stich beginnen. Schlimmstenfalls kommt es zum allergischen Schock, dem totalen Herz-Kreislauf-Versagen. Verglichen mit anderen Allergien wie Heuschnupfen sei das Risiko für anaphylaktische Reaktionen bei Insektengiftallergien grundsätzlich erhöht, weil das Allergen eingestochen werde und dadurch direkt in den Organismus gelangten, ergänzt Prof. Margitta Worm vom leitet das Allergie-Centrum an der Charité in Berlin.

Glücklicherweise trete die schwerste Form der Anaphylaxie, der allergische Schock, bei nur 0,5 Prozent der Patienten mit Insektengiftallergien auf. "Kommt es nach einem Stich zu Atemnot oder Kreislaufsymptomen wie Schwindel, Herzrasen und Ohnmacht, sollte unverzüglich der Notarzt gerufen werden", betont Worm. Für Betroffene besteht Lebensgefahr. Auch bei leichteren Reaktionen, etwa wenn sich nur Hautreaktionen zeigen, sollten Patienten unmittelbar zum Arzt.

Alle Patienten, die einmal eine anaphylaktische Reaktion durchgemacht haben, erhalten nach positiver Testung auf eine Insektengiftallergie ein Notfallset. Es enthält lebensrettende Medikamente und sollte immer griffbereit sein. Ein zweiter wichtiger Schritt für diese Patienten sei es, eine spezifische Immuntherapie zu beginnen, erklärt Worm. Dabei werden über einen längeren Zeitraum regelmäßig verdünnte Gaben des Insektengifts gespritzt. "Die spezifische Immuntherapie schützt über 90 Prozent der Behandelten sicher vor erneuten anaphylaktischen Reaktionen", sagt die Allergologin.

Weiterführende Informationen zum Thema unter http://asurl.de/mvb.

dpa-Magazin / mag
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