Die Angst vor der Narkose nicht kleinreden

Der Gedanke an eine Narkose macht manchem Patienten Angst. Sie kleinzureden, bringt wenig. Stattdessen hilft, sich ihr frühzeitig zu stellen. Dazu gehört es, sich genau über die Risiken zu informieren und den Ärzten viele Fragen zu stellen.

"Für viele Patienten ist das Gefühl, hilflos ausgeliefert zu sein, beängstigend", erläutert Prof. Claudia Spies vom Centrum für Anästhesiologie, OP-Management und Intensivmedizin an der Charité in Berlin. "Darüber hinaus kommen immer wieder Fragen wie: Kann es passieren, dass ich nicht mehr aufwache? oder Kann die Narkose Folgeschäden nach sich ziehen?". Diesen Ängsten sollten Patienten bereits rechtzeitig vor der OP begegnen."Wissen gibt Sicherheit. Wesentlich ist dabei ein ausführliches Vorbereitungsgespräch mit dem Anästhesisten", empfiehlt Heidrun Holstein von der Unabhängigen Patientenberatung in Karlsruhe. In diesem Gespräch müssen alle Sorgen thematisiert und Fragen besprochen werden wie: Wer ist bei der Operation anwesend? Wer betreut mich? Wie verläuft der Aufwachvorgang?

Bei kleinen Eingriffen, zum Beispiel einer Operation am Finger, reicht meist eine örtliche Betäubung. So könne man gut den Nerv blockieren, der das betroffene Gebiet versorgt, erläutert Spies. Eine solche Betäubung macht üblicherweise der Operateur selbst und nicht ein Narkosearzt.

Anders sieht es aus, wenn ein größerer Körperbereich betroffen ist. Dann kommt ein Anästhesist zum Einsatz. Er suche zum Beispiel durch Ultraschall die Nerven auf, die das Körperteil versorgen, und betäube diese, sagt Spies. Der Fachmann nennt das regionale Anästhesie. Bis die Medikamente wirken, dauert es bis zu 45 Minuten.

Wird weit oben am Körper operiert, ist die Lunge oder der ganze Körper betroffen, führe kein Weg an einer Vollnarkose vorbei, erklärt Spies. Der Anästhesist spritzt die Medikamente entweder in die Vene ein oder sie werden der Atemluft beigemischt. Die Wirkung der Vollnarkose tritt innerhalb weniger Minuten ein: Der Patient empfindet keine Schmerzen mehr und verliert das Bewusstsein. Die Muskulatur ist völlig entspannt.

Am Tag des Eingriffs kann die Anwesenheit eines vertrauten Menschen beruhigend wirken. "Bei Regionalanästhesien wie bei Kaiserschnitten ist dies durchaus möglich und auch üblich", erläutert Goetz Geldner, Präsident des Berufsverbandes der Anästhesisten (BDA). Bei Vollnarkosen hingegen dürfen Angehörige nicht dabei sein. "Ihre körperliche Anwesenheit kann jedoch nach der Aufwachphase, zwei bis vier Stunden nach dem Eingriff und danach, sehr hilfreich sein. Sie können ruhig auf den Patienten eingehen und ihm Kraft geben", ergänzt Spies.


dpa-Magazin / mag
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