Auf dem Vormarsch: Frauen als Existenzgründer

Guck' mal, wie sich die Farbe verändert: Bei den Wissenschaftscamps der Firma Two4science werden Grundschulkinder spielerisch an Chemie herangeführt. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Darmstadt. (Foto: Two4science)

Ein Unternehmen gründen: Das haben in der Vergangenheit vor allem Männer gemacht. Doch das Bild ändert sich. 2014 lag die Quote der 18- bis 64-jährigen Männer, die in den vergangenen dreieinhalb Jahren gegründet haben oder aktuell planen, ein Unternehmen zu gründen, bei 6,5 Prozent. Bei den Frauen sind es 4 Prozent, so ein Ergebnis des Global Entrepreneurship Monitor.

Ein Beispiel dafür sind Ute Hänsler und Andrea Gruß. Die beiden bieten Wissenschaftscamps zu unterschiedlichen Themen an. Das Konzept: Kinder experimentieren unter fachkundiger Anleitung und lernen spielerisch die Naturwissenschaften kennen. Zur Firmengründung kam es eher per Zufall: "Das war Ferienbetreuung für Grundschulkinder, um damit Geld in die Kasse des Kindergartens unseres Sohnes zu bekommen", erzählt Hänsler.

Männer machen sich häufiger selbstständig, weil sie Ziele wie Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung und ein hohes Einkommen verfolgen, sagt Udo Brixy, einer der Autoren der Studie, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) veröffentlicht hat. Frauen gingen eher in die Selbstständigkeit, weil sie keine geeignete Stelle in abhängiger Beschäftigung finden.

Frauen zögern außerdem häufig länger, den Schritt zu gehen. "Sie haben mehr familiäre und soziale Verpflichtungen", erklärt Cornelia Klaus. Sie ist Bereichsleiterin von Gründerinnen-Consult in Hannover. Das ist in Niedersachsen die zentrale Anlaufstelle für gründungsinteressierte Frauen. Durchsetzungskraft und Ehrgeiz gelten immer noch als eher unweibliche Eigenschaften oder werden so empfunden.

"Es geht bei der Gründung nicht immer nur um eine gute Idee", ergänzt Susanna Selvadurai, die bei der Beratungsfirma Kompass angehende Selbstständige unterstützt. "Es geht auch um die Persönlichkeit, das Umfeld und die Rahmenbedingungen." Die jungen Firmen, die sie betreut, reichen von der fahrenden Imbissbude über die Physiotherapie-Praxis bis zum Laden für Kinderkleidung. Die Herangehensweise von Frauen und Männern an die Selbstständigkeit sei unterschiedlich. "Frauen haben die Kosten eher im Blick und sind sehr viel detaillierter in der Geschäftsplanung." Außerdem sind sie flexibler in der Entwicklung ihrer Firma.

Wer sich selbstständig macht, braucht auf jeden Fall eine hohe Motivation und die innere Einstellung, dass es mit dem Erfolg klappt, erläutert Klaus. Außerdem sollte man Ausdauer mitbringen, um die bürokratischen Hürden zu überwinden. Viele Beratungsstellen helfen bei der Erstellung eines funktionierenden Businessplans. Das sollten Gründerinnen annehmen, um Feedback für ihre Ideen zu erhalten.
dpa-Magazin / mag
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