Lernen durch Erfahrung: Wann Mentoring im Beruf Sinn macht

Change Management und Mitarbeiterentwicklung: Martina Bärenfänger (links) bespricht mit Mentorin Ulrike Krauthammer Themen aus ihrem Führungsalltag. (Foto: Markus Scholz)

Bei Martina Bärenfänger und Ulrike Krauthammer gibt es immer neue Themen: Change-Management, Mitarbeiterentwicklung oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "Alle Fragestellungen, die mich umtreiben, hat Ulrike Krauthammer schon erlebt", erzählt Bärenfänger. "Sie stellt die richtigen Fragen und bringt mich zum Nachdenken." Bärenfänger ist seit einiger Zeit der Mentee von Krauthammer.

Für Martina Bärenfänger ist es eine Bereicherung, Praxistipps von einer gestandenen Führungskraft zu erhalten. Krauthammer ist seit 2001 Hauptabteilungsleiterin bei der Versicherungsgesellschaft Provinzial Nord Brandkasse in Kiel. Sie hat Teams in unterschiedlichen Zusammensetzungen und mit vielfältigen Themenstellungen geleitet. Bärenfänger arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten bei der Techniker Krankenkasse.

Bärenfänger hörte von Kollegen vom Cross Mentoring. Dabei wird ihr kein Mentor aus der eigenen Firma zur Seite gestellt, sondern aus einer anderen. "Ich halte es für eine gute Erfahrung, einen Einblick in die Praxis eines anderen Unternehmens zu gewinnen und davon zu lernen", sagt sie.

Gabriele Hoffmeister-Schönfelder hat die beiden Frauen zusammengeführt. Sie ist Geschäftsführerin der Firma Kontor 5 in Hamburg, die sich auf Mentoring spezialisiert hat. Der richtige Zeitpunkt dafür ist gekommen, wenn man selbst merkt, dass man sich verändern und das eigene Potenzial weiterentwickeln möchte. "Eine gewisse Berufserfahrung muss man haben, auch erste Führungserfahrung." Ganz wichtig sei außerdem, einen Dialog nicht nur in der Theorie zu führen, "sondern tatsächliche Probleme zu besprechen". "Ein Ratschlag soll einen Reflexionsprozess in Gang setzen", ergänzt Thomas Fritz, Personalchef bei der Unternehmensberatung McKinsey, die Mentoring besonders fördert.

Doch es geht bei den Mentorengesprächen nicht nur um Probleme im Team, sondern auch um die eigene Karriere. "Es ist wichtig, jemanden zu haben, mit dem man sich über die eigenen Ziele austauschen kann", erklärt Fritz.

Die Patenschaft kann sich auch informell ergeben. Allerdings sollte man auf einiges achten, rät Sibylle Brückner, die Bundesvorsitzende des Forums Mentoring ist, das sich für das Mentoring von Frauen in der Wissenschaft einsetzt. "Es sollte nicht der eigene Chef sein, denn zu ihm steht man in einem Abhängigkeitsverhältnis."

Wenn es gut läuft, profitiert von dem Programm nicht nur der Mentee, sondern auch die Mentorin. "Es macht mir Spaß, Führungskräfte zu fördern und dabei meinen Horizont zu erweitern", sagt Krauthammer. Außerdem ist es nie eine Einbahnstraße. Es ist immer ein Geben und Nehmen, bei dem auch die Mentoren etwas lernen. mag
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