Nichts für Nerds: Softwareentwickler müssen Teamplayer sein

Softwareentwickler Thomas Worm beginnt seinen Arbeitstag zwar am Computer, doch insgesamt verbringt er dort nur rund 40 Prozent seiner Arbeitszeit. Worm arbeitet beim Nürnberger Softwareentwickler Datev. Die Brille mit den roten Glasern trägt er aus gesundheitlichen Gründen – er hat eine seltene Augenkrankheit. Foto: Daniel Karmann (Foto: Daniel Karmann)

Wer Softwareentwickler werden will, hat die Qual der Wahl: Es führen mindestens zwei Wege zum Ziel. Die erste Möglichkeit ist die klassische duale dreijährige Ausbildung zum Fachinformatiker, mit den Fachrichtungen Systemintegration und Anwendungsentwicklung. Wer über die Hochschule zur Softwareentwicklung kommt, studiert in der Regel Informatik.

"Es gibt aber auch Absolventen aus den Bereichen Elektro- und Informationstechnik sowie Physik und Mathematik, die nach dem Studium in die Softwareentwicklung gehen", sagt Stephan Pfisterer vom IT-Verband Bitkom. Und schließlich gibt es noch das duale Studium, bei dem Studierende schon während ihrer Zeit an der Uni immer wieder im Unternehmen arbeiten.

Dabei sitzen Softwareentwickler längst nicht nur vor dem Computer. Der Arbeitstag beginnt für Thomas Worm allerdings tatsächlich am Bildschirm. Er arbeitet beim Nürnberger Softwareentwickler Datev im Bereich Qualitätssicherung. Hier checkt er seine E-Mails und schaut, ob über Nacht etwas Dringendes angefallen ist. Danach kann es aber passieren, dass er seinen Rechner für längere Zeit nicht sieht. "Am Tag sitze ich vielleicht 40 Prozent der Zeit am Computer", erzählt er.

Ungewöhnlich ist Worms Arbeitsweise aber nicht. Wer Software für die eigene Firma oder Kunden entwickelt, muss natürlich mit einem Computer umgehen können und diverse Programmiersprachen beherrschen. Die wichtigste Fähigkeit ist aber Kommunikationstalent, sagt Ulrich Eisenecker, Professor für Softwareentwicklung an der Universität Leipzig. "Man muss verstehen, was der Kunde braucht, und muss Möglichkeiten und Grenzen gleichzeitig gut mitteilen können."

Dazu kommen Abstraktionsvermögen, um allgemeine Lösungen für konkrete Probleme zu finden, schnelle Auffassungsgabe und soziale Kompetenz. Denn Softwareentwicklung ist in der Regel Teamarbeit. "Innerhalb des Berufsbilds Softwareentwickler gibt es verschiedene Rollen", erklärt Eisenecker. Manche Entwickler sind zum Beispiel nur dafür zuständig, die Anforderungen an eine Software zu ermitteln. Der nächste entwirft dann das Konzept für eine mögliche Lösung – das sogenannte Design. Danach folgt die Implementierung, also die tatsächliche Programmierarbeit. Und natürlich muss die fertige Software auch gewartet beziehungsweise weiterentwickelt werden.

Grundsätzlich sind die Jobchancen für Softwareentwickler immer gut – Praxisbezug im Studium hin oder her. "Im gesamten IT-Bereich gibt es 35 000 bis 40 000 offene Stellen, das ist der berühmte Fachkräftemangel", rechnet Stephan Pfisterer vor. "Etwa 70 Prozent der offenen Stellen entfallen auf den Bereich Softwareentwicklung." Gefragt werden in Zukunft vor allem Fachkräfte sein, die sich mit den aktuellen Trends gut auskennen, so der Experte. Zurzeit sind das im Bereich Softwareentwicklung zum Beispiel Themen wie Cloud Computing, mobile Apps und Big Data. mag
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