Mit Stadtgänger Bernd S. Meyer an der Gethsemanekirche

Prenzlauer Berg. Die Gethsemanekirche wurde vor 25 Jahren zu einem Symbol für den Widerstand gegen die SED-Herrschaft. Die Bilder von den Mahnwachen zur Freilassung der Demonstranten, die am 7. Oktober 1989 verhaftet wurden, gingen um die Welt.

Zum Stadtgebiet gehörte die Gegend der nördlichen Feldmark schon, als ab 1866 die Gleise der Ringbahn vorbeiführten. Ringsum blieb leeres Feld, obwohl bereits in der Stadtplanung ein Kirchplatz vorgesehen war. Caroline Griebenow, Witwe eines Grundbesitzers, schenkte das Grundstück, und mit kaiserlichem Geld begann Architekt August Orth den roten Klinkerbau.

Als das Gotteshaus 1893 geweiht wurde, war auch der Ringbahnhof an der Schönhauser ganz neu. Die Wohnbebauung ringsum folgte erst um 1900 nach. Alfred Messel, berühmt durch seine Wertheim-Bauten, ließ vom Berliner Spar- und Bauverein Arbeitermiethäuser errichten. Mehr als hundert Wohnungen in einer Wohnanlage mit Gartenhof, Spielplatz, Bibliothek und Waschhäusern. Dies war eine Antwort auf die vielen privat gebauten, berüchtigten Mietskasernen in den Arbeiterbezirken der Reichshauptstadt.

Neue Berühmtheit erlangte die Gethsemanekirche mit ihren Bildhauerarbeiten von Ernst Barlach. Im Kirchenraum findet sich als Dauerleihgabe ein Bronzenachguss der Figur des Bettlers, der 1930 in Briesker Ton für die Lübecker Katharinenkirche entstand. Außen, vor der Südwand steht der 4,6 Meter hohe "Geistkämpfer", ein Abguss des 1928 für Kiel entworfenen Standbildes, das dort vor der Stadtkirche steht. Der vom Ost-Berliner Magistrat 1990 beschaffte Neuguss war als Mahnmal der Bücherverbrennung auf dem Bebelplatz in Mitte vorgesehen gewesen. Seit dem 8. November 1994 steht er als Geschenk des Senats an der Gethsemanekirche, zu Ehren der Demokratiebewegung in der DDR.

Die Führung mit Bernd S. Meyer, dem Mann mit der Leiter, beginnt am 20. Dezember um 11 Uhr. Treffpunkt ist vor der Gethsemanekirche, Stargarder Ecke Greifenhagener Straße. Verkehrsverbindung S 41, S 42, U 2, M 1 bis Bahnhof Schönhauser Allee. Die Teilnahme ist für Leser der Berliner Woche kostenlos. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich: Am Freitag, 19. Dezember, 10-12 Uhr anrufen unter 25 93 04 97 84 26.

/ BSM
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