Bürgermeister Stephan von Dassels Büro im Rathaus Tiergarten wird Museum

Blick vom Balkonsaal des Rathauses auf den Vorplatz. Vor dem Bau des Verwaltungsgebäudes war er als Schmuckplatz gemeinsam mit der Markthalle das Zentrum Moabits. (Foto: KEN)
Berlin: Rathaus Tiergarten |

Moabit. Überall stehen Kartons. Stephan von Dassel (Bündnis 90/Die Grünen) zieht um. Allerdings nur innerhalb des Rathauses Tiergarten. Schon kurz nach seinem Amtsantritt im Oktober 2016 hatte Mittes Bürgermeister beschlossen, sich im Gebäude ein anderes Dienstzimmer zu suchen.

Der Bürgermeister und sein Stab zögen in Räume, die sich auf derselben Etage, im zweiten Obergeschoss des Hauses, befinden, erläutert Sedar Dinar von der Pressestelle des Bezirksamtes. „Über die Kosten für Umzug und Einrichtung kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Auskünfte erteilt werden“, so Dinar.

Ganz offiziell wurde Stephan von Dassels Entscheidung jedenfalls am 4. Juli. Damals beschloss das Bezirksamt die Umwidmung der Räume. Das Dienstzimmer des Bürgermeisters und das Vorzimmer werden Ausstellungsräume des Mitte-Museums.

Das Rathaus Tiergarten ist nämlich nicht irgendein Rathaus. Es ist das erste bezirkliche Rathaus, das in der NS-Zeit gebaut wurde. Nach der Grundsteinlegung, die im September 1935 mit einer pompösen Feier begangen wurde, wurde das Gebäude mit dem Grundriss eines H und im Baustil zwischen Neuer Sachlichkeit und viel Deutschtümelei schwankend 1937 fertiggestellt. Einzug hielt als Bürgermeister der Jurist, Volkswirt und überzeugte Nazi Paul Schuder.

Eine geschichtliche Aufarbeitung dieser Tatsachen fehle bisher weitgehend, meint Bürgermeister von Dassel. „Das Mitte-Museum ist beauftragt, ein Konzept für die museale Nutzung zu erarbeiten“, sagt Sigrid Schulze, Kunsthistorikerin an dem regionalgeschichtlichen Museum für Mitte, Tiergarten und Wedding.

Dafür eignen sich das Bürgermeister-Dienstzimmer und das Vorzimmer sehr gut. Das rund 46 Quadratmeter große Dienstzimmer ist denkmalgeschützt. Seine Einbauten, die Wandschränke, die Nussbaumholzvertäfelung, der Eichenparkettboden und der Deckenleuchter in Form eines Wagenrades aus Schmiedeeisen sind im Original erhalten. Möglicherweise stammt auch die Wanduhr aus den 30er-Jahren.

Künftig sollen im Bürgermeisterzimmer kleine Ausstellungen gezeigt werden, bei denen sich Besucher selbst ein Bild vom Stil des Zimmers machen können. Nebenbei erhalten sie viele Erläuterungen zur Geschichte des Rathauses während des Nationalsozialismus und als Verwaltungsgebäude eines demokratischen Gemeinwesens und zur Geschichte des ganzen Bezirks Mitte. Das bisherige Sekretariat wird Eingangszimmer zum Ausstellungsraum. KEN
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