Gedenktafel am Zaun der JVA für Antonín Hampl

Eine bronzene Gedenktafel an der Umzäunung der JVA Moabit erinnert an den tschechischen sozialdemokratischen Politiker und Widerstandskämpfer Antonín Hampl. (Foto: KEN)
Berlin: JVA Moabit |

Moabit. Berlin hat unzählige Gedenkorte, die an die dunkelste Seite deutscher Geschichte erinnern. Nun gibt es einen weiteren, am Zaun der Moabiter Haftanstalt. In Bronze gefasst, hängt dort in Erinnerung an den einstigen tschechischen Sozialdemokraten Antonín Hampl eine Gedenktafel.

„Der Vielvölkerstaat muß liquidiert werden.“ So lautete am 22. September 1938 eine Schlagzeile in der NS-Presse, die bereits seit geraumer Zeit gegen die Tschechoslowakei hetzte. Nach dem „Münchner Abkommen“ am 30. September 1938 und dem Abtreten des Sudetenlandes an das Deutsche Reich, marschierte die Wehrmacht am 15. März 1939 in die „Rest-Tschechei“ ein, wie Hitler die verbliebenen, tschechischen Gebiete der tschechoslowakischen Republik abschätzig nannte. Für die Bevölkerung und ihre politischen Vertreter begann eine schreckliche Leidenszeit.

Der 1874 in Jaromer geborene Antonín Hampl, ursprünglich gelernter Metallarbeiter, war während der Ersten Tschechoslowakischen Republik von 1918 bis 1938 Abgeordneter der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Er war deren langjähriger Vorsitzender (1924-1938) und Minister für öffentliche Arbeiten (1919-1920). Nach dem Einmarsch der Wehrmacht ging er in Prag in den Widerstand. Doch bereits am 1. September 1939 wurde Hampl als Repräsentant der zerschlagenen Tschechoslowakei verhaftet. So hat es der Historiker Ralf Gebel recherchiert. Nach zwei Wochen im berüchtigten Gefängnis Prag-Pankratz kam er frei. Die Gestapo beobachtete ihn jedoch weiter.

Am 6. Mai 1941 wurde Antonín Hampl gemeinsam mit mehr als 40 weiteren tschechischen Sozialdemokraten erneut verhaftet. „Hampl, dem Vorbereitung zum Hochverrat vorgeworfen wurde, lernte alle Methoden der Gestapo-Verhöre kennen“, schreibt Historiker und Autor Ralf Gebel in seinem Beitrag „Die Verfolgung der Parlamentarier der Ersten Tschechoslowakischen Republik während des 'Protektorats' “.

Nach zehn Wochen in Pankratz und Verhören in der Prager Gestapo-Zentrale überführte man Antonín Hampl ins Moabiter Untersuchungsgefängnis. „Zum geplanten Prozess vor dem Volksgerichtshof kam es jedoch nicht mehr“, so der Historiker. Am 17. Mai 1942 starb der tschechische Politiker und Widerstandskämpfer an den Folgen der Folter.

In Erinnerung an sein Wirken haben der tschechische Ministerpräsident und Vorsitzende der tschechischen sozialdemokratischen Partei, Bohuslav Sobotka, und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am 20. Mai am Sterbeort Hampls eine Gedenktafel enthüllt. Der tschechische Ministerpräsident warnte am Zaun der JVA Moabit vor dem wachsenden Populismus in Tschechien und Deutschland. Sobotka war Gast der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die bronzene Tafel für Antonín Hampl wurde von den sozialdemokratischen Parteien Deutschlands und Tschechiens gestiftet. KEN
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