In Jens Ankers „Schatten über Moabit“ steht das Kriminalgericht im Mittelpunkt

Krimiautor Jens Anker ist fasziniert vom Justizpalast in der Turmstraße. (Foto: KEN)
 
Jens Ankers „Schatten über Moabit“ ist im Kölner Emons Verlag (ISBN 978-3-95451-708-4) erschienen und kostet im Buchhandel 9,90 Euro. (Foto: Verlag)

Moabit. Sie standen vor seinen Schranken: der „Hauptmann von Köpenick“, Erich Honecker oder Erich Mielke. Viele Prozesse machten es berühmt und berüchtigt. In Jens Ankers Krimi-Debüt „Schatten über Moabit“ ist das Kriminalgericht am östlichen Ende der Turmstraße Hauptschauplatz der temporeichen Geschichte über Geldgier, Wirtschaftsspionage und schmutzige Pharmageschäfte.

Im Gerichtsgebäude kennt sich der gebürtige Berliner bestens aus. Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeitet Jens Anker als Redakteur bei Tageszeitungen und verfolgte unter anderem die Prozesse gegen den Kaufhauserpresser Dagobert und den sogenannten Hoyzer-Prozess um manipulierte Fußballspiele. Im Moabiter Kriminalgericht nimmt die Story ihren blutigen Anfang und kehrt immer wieder zurück.

Der Ich-Erzähler Robert Beierlein ist ein angehender Jurist, der sich „nach all dem Quatsch an der Uni“ in der Praxis bewähren „und drei Monate lang in der Staatsanwaltschaft hocken" muss. In der Pause steht er oft ganz oben auf der Galerie des Palastes und beobachtet bei einer Zigarette das Kommen und Gehen der Leute. Bis eines Tages Oberstaatsanwalt Jürgen Strunz sich von dort in die Tiefe stürzt oder befördert wird. „Für die Justizniks natürlich ein dolles Ding.“

Aufklärung des "Skandals"

Zusammen mit seinem Chef Weber, „Oberstaatsanwalt in der Hauptabteilung römisch drei“, macht sich der Erzähler an die Aufklärung des „Skandals“. Während er sich durch das Privatleben und die alten Fälle seines toten Kollegen wühlt, zieht Protagonist Robert Beierlein auch seinen Freund Moritz „in diesen Scheißkrimi“ hinein.

Die Ermittlungen führen an Schauplätze im Berliner Westen und immer wieder nach Tiergarten und Moabit. Das macht neben der spannenden Handlung und den lebensnahen Dialogen der stimmig gezeichneten Charaktere den Lesespaß aus. Die von Jens Anker gewählten Orte der Handlung werden wiedererkennbar geschildert.

Eigentlich könnte man mit dem Buch in der Hand sich an die Orte begeben und sich beim Lesen gleichzeitig in der vom Autor imaginierten Welt des Textes und der realen bewegen: etwa im Biergarten vom Schleusenkrug. „Wir tranken Bier. Der Wind wehte einen Hauch von Kamelscheiße aus dem Zoo herüber.“ Oder vor der Dorotheenstädtischen Buchhandlung in der Turmstraße, der Jens Anker ein kleines Denkmal setzt. „Rimpel stand vor seinem Laden und blinzelte in die Sonne. Erw war so etwas wie das Moabiter Gewissen. Während drüben im Kriminalgericht die Alltagsmühle ratterte, sammelte er in seiner Buchhandlung die Geschichten.“

Wo die Gerechtigkeitsmaschine arbeitet

Die Ermittlungen von Beierlein und Weber führen über 17 Kapitel zum Deutschlandsitz des Pharmaunternehmens „Sanogo“, das in den Fall verwickelt zu sein scheint. Doch immer wieder kehren Jens Anker und sein Erzähler zurück zum faszinierenden „Justizlabyrinth“, das „in hundert Jahren zu einem verwirrenden Kunstwerk gewachsen“ war und ein „Schattenreich“ besaß. „Ein paralleles Tunnelsystem verband jeden Verhandlungssaal mit dem Untersuchungsknast. So konnte die Gerechtigkeitsmaschine reibungslos arbeiten, und das Rohmaterial gelangte reibungslos in den Apparat.“ KEN
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