Erzählwerkstatt für Senioren im Reuterquartier startet Anfang August

Projektleiterin Ursula Bach (Bildmitte) im Gespräch mit Teilnehmern eines Spaziergangs vor der Nikodemus Kirche in der Nansenstraße. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. "Leben im Reuterkiez von der Nachkriegszeit bis heute" ist das Thema einer Erzählwerkstatt, die im August im Rahmen eines geförderten Seniorenprojekts beginnt. Senioren, die den Reuterkiez gut kennen, erzählen in diesem Projekt aus ihren eigenen Erinnerungen Geschichtliches und Persönliches.

Von der Nachkriegszeit über den Mauerbau bis zur Entwicklung des heutigen multikulturellen Szenekiezes hat der Reuterkiez eine gewaltige Entwicklung erlebt, die auch nach außen hin sichtbar ist. Davon erzählen an einem Dienstagvormittag fünf Senioren, die mit der Projektleiterin Ursula Bach einen Spaziergang durch das Viertel machen. An mehreren Stationen, die zuvor nach den Vorschlägen der Senioren festgelegt wurden, machen sie Halt. Jeder Teilnehmer hat die Möglichkeit, von eigenen Geschichten und Erinnerungen aus dem Kiez zu berichten. Der Spaziergang ist ein erster Auftakt für eine Erzählwerkstatt, die im Rahmen eines vom Quertiersmanagement geförderten Seniorenprojekts am 6. August beginnt.

"Jeder ältere Mensch, der am Reuterkiez interessiert ist, der hier lebt oder gewohnt hat, ist zur Teilnahme eingeladen", sagt Ursula Bach. Die Tour nimmt ihren Anfang in der Galerie R31 in der Reuterstraße 31. Bei der Besichtigung eines Hinterhofes zeigt Ursula Bach den Teilnehmern anhand mitgebrachter Originalaufnahmen, dass es hier nach der Erbauung 1900 bis in die 1960er Jahre mehrere Kuhställe gab. In einer "Milchhalle" im Vorderhaus verkaufte der Bauer seine Molkereierzeugnisse. Nächste Station ist der Reuterplatz. Schon 1914 gab es hier den Kiosk, wie weitere Bilder belegen. Eine Pergola und ein Brunnen wurden erstmals in den 20er Jahren auf dem Platz erbaut.

Seit 1973 leben Bernd und Helga Wirths in der Reuterstraße 39. Sie haben die Zeit miterlebt, als es im Haus noch keine Szenekneipe gab. Das alte Leuchtreklameschild mit der Aufschrift "Damensalon" zeugt davon, dass dies früher ein Friseurgeschäft gewesen ist. Helga Wirths ließ sich hier die Haare machen, bis es 2008 schloss. "Zum ersten Mal ging ich kurz nach unserem Einzug hin und blieb Kundin bis zum letzten Tag. Die Inhaberin gab auf, als die Miete zu hoch wurde", erzählt die 75-Jährige.

Viele weitere Geschichten zum Thema "Leben im Reuterkiez von der Nachkriegszeit bis heute" sollen ab 6. August an neun Terminen jeden zweiten Dienstag erzählt werden.

Die Gruppe trifft sich immer um 14 Uhr in der Galerie R31. Zum Abschluss des Projekts werden alle Geschichten und Fotos in einer kleinen Ausstellung oder Broschüre präsentiert.

Weitere Infos und Anmeldungen unter 611 96 11.

Sylvia Baumeister / SB
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