Franziska Giffey möchte am liebsten Vorschule wiedereinführen

Neukölln. In der vorigen Woche begann für 2456 Erstklässler im Bezirk die Schule. Weil sie noch nicht reif genug sind, wurden 258 Kinder für ein Jahr rückgestellt. Franziska Giffey (SPD) hält die Vorbereitung auf die Schule durch Kitas für nicht ausreichend.

Mit der Einführung der frühen Schulpflicht wagt das Land Berlin seit 2005 einen Alleingang. Jedes Kind, das den Kriterien der Einschulungsuntersuchung in ausreichendem Maße entspricht und bis zum 31. Dezember des Jahres sechs Jahre alt wird, muss eingeschult werden. Eltern können aber eine Rückstellung ihrer Kinder beim Bezirk beantragen. Auch in Neukölln machten davon in den vergangenen Jahren immer mehr Eltern Gebrauch. Nach Angaben der Schulaufsicht wurden 2010 insgesamt 184 Kinder rückgestellt, 2011 waren es 221 und in diesem Jahr 258. Die Gründe für eine Rückstellung liegen in physischen, psychischen, sprachlichen oder motorischen Entwicklungsrückständen.

"Gerade in sozialen Brennpunktgebieten sind die Kinder mit fünf Jahren oft noch nicht reif genug, eine Schule zu besuchen", meint Schulstadträtin Giffey. Ein großer Prozentsatz der Kinder schaffe zudem den Sprung in die dritte Klasse nicht und verweile somit drei statt vier Jahre in der Schulanfangsphase des Jahrgangsübergreifenden Lernens (JüL). Das waren 2011 über 21 Prozent und 2012 immerhin 16 Prozent der Kinder. Für Giffey steht fest: "Die Kitas können eine Vorbereitung wie in den ehemaligen Vorschulen nicht leisten." Sie befürwortet daher deutlich deren Wiedereinführung.

Ganz anderer Meinung ist Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Deren Pressesprecherin Beate Stoffers meint: "Das Berliner Bildungsprogramm, das in den Kitas angewandt wird, bereitet gut auf die Schule vor."

Die Finanzierung der Kitas sei an die Qualität der Umsetzung des Programms gebunden. Dementsprechend sorgfältig werde es umgesetzt. Das zeige sich auch an Zahlen: Während es in den 90er-Jahren bis zu 13 Prozent Rückstellungen bei einem Schuleintrittsalter von sechseinhalb Jahren gegeben habe, seien es derzeit im Durchschnitt nur 9,3 Prozent. Stoffers: "Für uns ist die Vorschule kein Thema mehr."


Slyvia Baumeister / syri
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