Neuköllner Schüler stiften zwölf neue Stolpersteine

Professor Stanislaw Karol Kubicki mit Stadträtin Franziska Giffey bei der Verlegung des Stolpersteines für seinen Vater. (Foto: Baumeister)

Britz. Am 29. November verlegte der Künstler Gunter Demnig insgesamt zwölf neue Stolpersteine vor sieben verschiedenen Häusern in Nord- und Süd-Neukölln. Einer dieser Steine erinnert an den 1942 in Polen von den Nazis ermordeten Stanislaw Kubicki, dessen Sohn noch heute in der Onkel-Bräsig-Straße lebt.

In der idyllisch gelegenen Onkel-Bräsig-Straße in der Hufeisensiedlung findet sich an einem kalten Novembermorgen eine Gruppe vor einem Wohnhaus ein: Neben dem Künstler Gunter Demnig und der Schulstadträtin Dr. Franziska Giffey (SPD) sind es Lehrer und Schüler der Klasse 9c der Alfred-Nobel-Schule. Die Schüler haben die Patenschaft für einen Stolperstein übernommen, der hier heute zum Gedenken an den 1942 von den Nazis ermordeten Künstler und Literaten Stanislaw Kubicki verlegt wird. "Es ist uns ein Bedürfnis hier zu sein, nachdem wir so viel über sein Schicksal erfahren haben", erzählt die 14-jährige Neslihan. Angelehnt an die Ausstellung "Das Ende der Idylle?" des Museums Neukölln hatte sich die Klasse im Rahmen einer Projektwoche mit den Bewohnern der Hufeisensiedlung zur Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt und dabei unter anderem Stanislaw Karol Kubicki kennengelernt, dessen Vater 1927 mit Ehefrau Margarete und den beiden Kindern in das Haus in der Onkel-Bräsig-Straße eingezogen war. Für das Künstlerpaar schien die neu erbaute Hufeisensiedlung der ideale Ort: Margarete gab Zeichenunterricht; die Kubickis wurden führende Mitglieder der polnisch-deutschen Künstergruppe "Bunt" (deutsch: "Revolte") und gehörten ab 1922 zur Künstlergemeinschaft "Die Kommune". Berühmte Nachbarn waren der Maler Heinrich Vogeler und der Dichter Erich Mühsam.

Als immer mehr Nazis in die Krugpfuhl- und die Hufeisensiedlung zogen, folgten bald Hausdurchsuchungen, Stanislaw Kubicki floh 1934 nach Polen. Vorn dort aus arbeitete er für den Widerstand, während seine Frau mit den Kindern in Britz blieb. Nach seiner Verhaftung kam er in das berüchtigte Pawiak-Gefängnis in Warschau. "Mein Vater ist dort im Juni 1942 ermordet worden, das genaue Datum kennen wir nicht", erzählt der emeritierte Professor für Klinische Neurophysiologie, der seinen Vater zum letzten Mal im Alter von 17 Jahren gesehen hat. Der 87-Jährige dankte den Schülern für ihr Interesse und diese Geste und versicherte: "Ich werde immer mit Behagen über diesen Stein stolpern."

Weitere Infos zu Patenschaften für einen Stolperstein gibt es unter kultur-neukoelln.de/gedenken-stolpersteine-in-neukoelln.php.

Sylvia Baumeister / SB
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