Das Museum Pankow sucht Zeitzeugen

Christel Wegner und Bernd Wittrin mit einem Foto ihres Abiturjahrgangs 1961. (Foto: BW)

Prenzlauer Berg. Das Museum Pankow plant ein neues Projekt, für das es noch Zeitzeugen sucht. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die 1961 ihr Abitur machten.

Sie werden berichten, wie sie als junge Menschen den Bau der Berliner Mauer erlebten und wie sich ihr Leben damit veränderte. Die Lebensgeschichte dieser Menschen ist symptomatisch für eine ganze Generation.

Auf die Projektidee kam Museumsleiter Bernt Roder auf einer Geschichtsfahrt nach Polen. Zwei der Mitreisenden unterhielten sich darüber, dass sie 1961 ihr Abitur an der früheren Käthe-Kollwitz-Oberschule an der Pasteurstraße in Prenzlauer Berg machten. Er bekam mit, dass sich die einstigen Klassenkameraden inzwischen wieder regelmäßig treffen.

Einige der Abiturienten gingen nach dem Mauerbau auf unterschiedlichen Wegen in den Westen, andere blieben hier. Es entwickelten sich ganz unterschiedliche, äußerst interessante Biographien. "Diese Menschen wurden in den letzten Kriegsjahren geboren, wuchsen in den Anfangsjahren der DDR auf und bekamen in den 50er-Jahren sowohl die Entwicklung in Ost- als auch in Westberlin mit", so Bernt Roder. "Deshalb sind ihre Erinnerungen für uns sehr interessant."

Vor anderthalb Jahren gab es mit einigen der einstigen Abiturienten, alle inzwischen knapp über 70 Jahre alt, ein erstes Treffen im Museum. Es entstand die Idee, mit heutigen Gymnasiasten ein Geschichtsprojekt durchzuführen. Vom 3. bis 7. November werden Schüler einer 10. Klasse des heutigen Käthe-Kollwitz-Gymnasiums die Schüler des 61er Abi-Jahrgangs befragen. Im Rahmen des Projektes werden sie unter Anleitung eines Medienpädagogen einen kleinen Film produzieren. "Unser Ziel ist es außerdem, eine Ausstellung zu gestalten", erklärt Bernt Roder. Diese soll voraussichtlich 2015 gezeigt werden.

Willkommen sind in diesem Projekt aber nicht nur 61er Abiturienten aus der bereits gefundenen Klasse der früheren Käthe-Kollwitz-Oberschule. "Wir suchen auch Schüler aus Parallelklassen sowie aus anderen Erweiterten Oberschulen in Prenzlauer Berg, die 1961 mit dem Abitur die Schule beendeten", erklärt Museumsleiter Roder.

Zu den ersten einstigen Abiturienten, die im Projekt mitmachen, gehören Christel Wegner (geborene Haubitz) und Bernd Wittrin. Christel Wegner reiste nach dem Mauerbau auf abenteuerliche Weise mit ihrer Mutter nach Westberlin aus. Sie musste dort noch ein Schuljahr dranhängen, um das West-Abitur zu bekommen. Danach studierte sie Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte und Publizistik. Ihr Studium brach sie nach der Geburt ihre Tochter ab. Später studierte sie Kunst und Arbeitslehre und wurde Grundschullehrerin.

Bernd Wittrin ging nicht in den Westen, obwohl er sogar Verwandtschaft in Amerika hatte. Er lernte Industriekaufmann, arbeitete in einer Druckerei und studierte dann an der Humboldt-Universität Theologie. Später war er Abteilungsleiter beim VEB Gaststätten in Ost-Berlin.

Für das Geschichtsprojekt zum Abi-Jahrgang 1961 sucht das Museum nicht nur ehemalige Schüler. Gesucht werden auch Menschen, die mehr zum damaligen Klassenlehrer Manfred Sommer berichten können. Dieser war nämlich kurz vor dem Abitur 1961 abgelöst und durch einen anderen Lehrer ersetzt worden.

Wer das Projekt unterstützen möchte und kann, wendet sich an Museumsleiter Bernd Roder: 902 95 39 17 oder per E-Mail an bernt.roder@ba-pankow.berlin.de.

Bernd Wähner / BW
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