Siegfried Zoels wurde in der Wendezeit Stadtrat

Siegfried Zoels übernahm in der Wendezeit politische Verantwortung und wurde als erster Vertreter der Bürgerbewegung Stadtbezirksrat für Inneres. (Foto: BW)

Prenzlauer Berg. Am 9. November 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet. Seitdem entwickelte sich nicht nur Berlin rasant, in den vergangenen 25 Jahren veränderte sich auch das Leben vieler Menschen rasant. In den kommenden Ausgaben stellt die Berliner Woche einige der Biografien vor.

In den 80er-Jahren hatte Siegfried Zoels bei seiner Arbeit einen gewissen Freiraum. Der Kulturwissenschaftler beschäftigte sich als einziger in der DDR mit der Rolle von Kunst in der Rehabilitation von behinderten Menschen. "In die Politik bin ich durch eine Verkettung von Zufällen gekommen.", gesteht er. "Ich hatte zwar immer schon ein kritisches Verhältnis zur DDR, war aber nicht sonderlich aktiv in der Opposition." Dass sich Ende der 80er-Jahre gravierende Veränderungen abzeichneten, merkte Zoels recht früh. "Ich kam an Zeitungen in englischer Sprache heran, und da war schon monatelang von einer neuen Strategie von Gorbatschow zu lesen."

Vor den Wahlen im Mai 1989 spürten dann bereits viele Kommunalpolitiker den Unwillen der Bürger. Zoels erinnert sich: "Ich wohnte an der Ecke Kastanienallee und Oderberger Straße. Die Wahlversammlungen waren plötzlich überfüllt. Die Leute stellten den Kandidaten ganz konkrete Fragen. Aber Antworten gab es kaum. Alle hofften, dass die DDR-Führung reagieren würde. Es tat sich aber nichts. Dass die Wahl dann nicht korrekt verlief, war allen klar."

Siegfried Zoels entschied sich, beim Neuen Forum aktiv zu werden. "Wir waren damals an der Oderberger Straße schon eine recht aktive Bürgergruppe", sagt er. "Unsere Gruppe nahm auch an der Großdemonstration am 4. November auf dem Alexanderplatz teil." Als wenig später die Mauer fiel, wurde vom damaligen Bürgermeister von Prenzlauer Berg und Bürgern ein Runder Tisch für den Bezirk angeregt. Zoels wurde zum Stellvertreter des Moderators, Pfarrer Hans-Dieter Winkler.

Wenig später dünnte sich das damalige Bezirksamt aus. "Drei Stadtbezirksratsposten waren vakant. Der Bürgermeister bot an, dass diese Posten von Vertretern der neuen Gruppierungen besetzt werden könnten", erinnert sich Zoels. Weil er in den vergangenen Monaten bereits souverän und verantwortungsbewusst aufgetreten war, schlug das Neue Forum ihn als Stadtbezirksrat für Inneres vor. Am 1. März 1990 übernahm er diese Aufgabe. Da war er dann plötzlich für die Staatsorgane zuständig, die noch 1989 gegen Oppositionelle vorgingen.

Zu den Kommunalwahlen im Frühjahr 1990 traten die in der Wendezeit aktiven Bürger als Bündnis Prenzlauer Berg an. Dieses Bündnis konnte nach den Wahlen mit der SPD eine Koalition eingehen. Neben dem Baustadtrat Matthias Klipp konnte das Bündnis den Posten des Stadtrats für Familie, Jugend und Sport mit Siegfried Zoels besetzen. "Solch eine Abteilung gab es vorher im Bezirksamt noch nicht. Sie war nach Westberliner Vorbild aufzubauen", erinnert sich Zoels. Als er dieses Amt übernahm, hatte er gerade einmal acht Mitarbeiter. Nach drei Monaten waren bereits 2138 Mitarbeiter. Der Grund: Alle Kitas und Krippen mussten fortan vom Bezirk verwaltet werden. Dafür waren auch entsprechende Strukturen im Bezirksamt aufzubauen.

"Ich denke, dass meine Mitarbeiter und ich damals schon die Weichen dafür stellten, dass Prenzlauer Berg heute als familienfreundlich gilt", resümiert Siegfried Zoels. Nach der nächsten Kommunalwahl im Oktober 1992 schied er als Stadtrat aus, bleib aber weiter in der Bezirksverordnetenversammlung aktiv.

Beruflich ist der heute 73-Jährige seitdem als Geschäftsführer des Vereins "Fördern durch Spielmittel" tätig. Er initiierte und gründete diesen Verein gemeinsam mit anderen Fachleuten. Der Verein entwickelt unter anderem mit Designern aus aller Welt Spielzeug für Kinder mit und ohne Behinderung. Außerdem ist Zoels Vorstand der Robert-Havemann-Gesellschaft.


Bernd Wähner / BW
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