Neuer Name für Pallas-Park führt zur Debatte

Schöneberg. Der Pallas-Park wird nach dem NS-Opfer Lilli Flora Borchardt benannt. Ein anderes Opfer nationalsozialistischer Rassenpolitik bleibt, weil ein Mann, nach dem Wunsch von Rot-Grün, vorerst außen vor.

Auch einen Kompromissvorschlag der CDU hat die Zählgemeinschaft aus SPD und Grünen abgelehnt. Der sah vor, die Grünanlage im Schatten des Pallasseums nach dem jüdischen Mädchen Lilli Flora zu benennen, den breiten Gehweg vor dem Quartiersbüro an der Pallasstraße aber nach Siegfried Translateur, der bei den Nazis als „Halbjude“ galt.

Angefangen hat die Debatte um eine Umbenennung des Pallas-Parks vor mehr als einem Jahr. Im Januar 2015 brachte die CDU-Fraktion den Antrag ein, dem Pallas-Park den Namen des Komponisten und Musikverlegers Translateur („Sportpalast-Walzer“) zu verleihen. Siegfried Translateur kam im März 1944 in Theresienstadt um.

Bündnis 90/Die Grünen konterten mit dem Lilli-Flora-Vorschlag, dem sich die SPD anschloss. Der Ausschuss für Bildung und Kultur unter Vorsitz der SPD-Verordneten Melanie Kühnemann gab eine entsprechende Empfehlung für die Abstimmung in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV).

Die Empfehlung des Ausschusses könnte falsch verstanden werden, so der CDU-Verordnete Christian Zander. Dass der eine Name gegen den anderen ausgespielt werde. Zanders Parteifreund Matthias Steuckardt kündigte an, die CDU werde in der April-Sitzung der BVV einen neuen Antrag auf (Um)Benennung eines Platzes nach Siegfried Translateur einbringen.

Für die SPD sagte Stefan Böltes, Lilli Flora stehe für eine Opfergruppe des Nationalsozialismus, die in der Öffentlichkeit bisher überhaupt nicht vorkomme, die Opfergruppe der Kinder. Außerdem gebe es einen BVV-Beschluss, wonach bei der Namensgebung von Straßen, Plätze und Parks Frauen zu bevorzugen seien. Elisabeth Kiderlen von den Grünen meinte, Lilli Flora Borchardt eigne sich als Namensgeberin für den Pallas-Park, weil Kinder und Jugendliche, die sich dort aufhielten, sich gut mit dem Schicksal dieses „ganz normalen Kindes“, das kein Held des Widerstands gewesen sei, identifizieren könnten.

Eine Verknüpfung von Lilli Flora und Siegfried Translateur lehnte Kiderlen ab, weil es zu viele rechtliche Unwägbarkeiten gebe. KEN
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