Über 1000 Denk-Steine erinnern an jüdische Bewohner

Schöneberg. Wie in jedem Jahr seit 1994 hat die Löcknitz-Grundschule auch diesmal am 3. Juli wieder eine Denksteinniederlegung begangen.

Zur Feier waren die Zeitzeuginnen Margot Friedländer und Rahel Mann sowie die 94-jährige Lolita Goldstein aus New York eingeladen. Mit der Niederlegung 2014 sind es nunmehr 1051 Steine, die an jüdische Mitbürger in Schöneberg erinnern.

Seit zwei Jahrzehnten suchen jeweils die Schüler der sechsten Klassen der Grundschule an der Berchtesgadener Straße aus Listen des Heimatmuseums Schöneberg Namen von Menschen heraus, die als Juden verfolgt wurden und in Konzentrationslagern gewaltsam zu Tode kamen. Es sind Menschen, zu denen die Kinder aufgrund des Geburtstags, der Adresse oder anderer Begebenheiten eine Beziehung aufbauen können. Das Heimatmuseum besitzt Listen, in denen 6069 frühere Bewohner des Bezirks mit jüdischen Wurzeln nach Name, Straße und Hausnummer verzeichnet sind.

Ihrem Alter entsprechend beschäftigten sich die Schüler im Rahmen der Unterrichtseinheit "Nationalsozialismus" mit der Judenverfolgung. Unter dem Motto "Menschen, die man vergisst, sterben ein zweites Mal" beschriften sie einen Denk-Stein mit dem jeweiligen Namen des jüdischen Opfers und fügen ihn dem so von Jahr zu Jahr wachsenden Denkmal hinzu.

Auf dem Schulhof stand ursprünglich eine Synagoge. Noch relativ unbeschädigt nach dem Novemberpogrom 1938, wurde sie während Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg so stark getroffen, dass sie 1956 abgerissen werden musste. Heute steht an ihrer Stelle der Schulpavillon.

Das Bayerische Viertel entstand zwischen 1910 und 1914 für ein großbürgerliches, finanzkräftiges Publikum. Es wurde auch zum Anziehungspunkt für jüdische Bürger. 1909 wurde die Synagoge mit Kinderhort, Schulräumen und Bibliothek an der Münchener Straße gebaut. 16 000 jüdische Bewohner lebten vor den Deportationen im Viertel.

Mit ihrem Engagement hofft die Löcknitz-Schule, ihren Schülern "ein Stück weit die Achtung vor Minderheiten, gegenseitige Toleranz sowie Gewaltfreiheit zu vermitteln", so Rektorin Christa Niclasen.


Karen Noetzel / KEN
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