Flüchtlingspolitik mit neuem Ziel

Im vergangenen Jahr kamen 80 000 Flüchtlinge nach Berlin und stauten sich vor dem Lageso. Die Unterbringung bleibt eine Herausforderung, auch für Tempelhof-Schöneberg. (Foto: KEN)

Tempelhof-Schöneberg. Flüchtlingspolitik im Bezirk: 2015 war das Jahr der Unterbringung, 2016 wird das Jahr der Integration sein. Das sagte Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) bei einem Pressegespräch im Februar.

Natürlich bleibe weiterhin die Unterbringung eine Herausforderung, so Schöttler. Der Zustrom wird in diesem Jahr nicht versiegen. Wo werden die Menschen unterkommen? Tempelhof-Schöneberg steht bei der Aufnahme von Flüchtlingen unter allen Bezirken zahlenmäßig an dritter Stelle. 5500 Plätze gibt es zurzeit im Bezirk. Sie verteilen sich auf neun Unterkünfte. Die drei größten liegen in Tempelhof: in den Hangars des ehemaligen Flughafens – Mitte Januar waren dort über 2600 Flüchtlinge untergebracht, es könnten bis zu 7000 werden –, in der Marienfelder Allee 66-80 (700 Personen) und in der Colditzstraße 32 (431).

Sporthallen sind nicht belegt. Gegen eine Akquirierung durch die Senatsverwaltung wehrt sich das Bezirksamt. „Ich persönlich halte die Unterbringung von Flüchtlingen in Sporthallen nicht für zielführend“, so Bürgermeisterin Schöttler. „Alt-Bürger“ sollen ihr soziales und sportliches Leben weiter normal führen können. Sport sei ein wichtiges Instrument der Integration. „Wenn wir den Vereinen die Hallen entziehen würden, wäre dies kontraproduktiv.“

Schöttler hatte sich für andere Standorte stark gemacht. Dazu gehört das ehemalige Vier-Sterne-Hotel „President“ gegenüber der Urania, das im vergangenen September nach einem Eigentümerwechsel schloss und als Flüchtlingsunterkunft wiedereröffnet wurde, aber auch der strittige Standort Flughafen Tempelhof. Bis spätestens 2019 sollten die Hangars aufgegeben sein, wünscht sich die Rathauschefin. „Die Standards sind deutlich zu flach.“

Geprüft würden weitere Standorte, so Angelika Schöttler. Die ehemalige Reichelt-Zentrale in der Daimlerstraße 97-111 in Tempelhof könnte von 500 auf 1200 Plätze ausgebaut werden. In der Augsburger Straße in Lichtenrade wäre Platz für 340 Frauen und Kinder. Das Nachbarschaftsheim Schöneberg hofft, bald in Friedenau 50 Frauen mit ihren Kindern unterbringen zu dürfen.

Im umgebauten Rathaus Friedenau kommen 400 Flüchtlinge unter. Zunächst ist es Notunterkunft, dann Gemeinschaftsunterkunft für „besonders schutzwürdige“ Personen: alleinreisende Frauen, Mütter mit Kindern, Behinderte, Homosexuelle.

Bürgermeisterin Angelika Schöttler hat das Ehrenamt und das Büro der Integrationsbeauftragten um je eine Stelle erweitert. Die neuen Mitarbeiter kümmern sich ausschließlich um das Thema Flüchtlingshilfe.

Sehr erfolgreich war schon das Ehrenamtsbüro. Gemeinsam mit der Volkshochschule hat es 13 Fortbildungskurse für in der Flüchtlingsarbeit engagierte Ehrenamtliche angeboten. Die meisten Anmeldungen verzeichnete mit 58 Teilnehmern der Kurs „Arabisch für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer“. KEN
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