Tafel am Wohnhaus für die Malerin Gertrude Sandmann

Schöneberg. Ein Gedenkstein auf dem Alten St. Matthäus-Friedhof an der Großgörschenstraße erinnert seit Herbst an Gertrude Sandmann. Nun haben Freunde der Künstlerin an ihrem ehemaligen Wohnhaus eine Gedenktafel enthüllt.

Für Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) ist die kleine Zeremonie vor dem Haus Eisenacher Straße 89 "gelebte Gedenkkultur" in Tempelhof-Schöneberg. Sie verweist in dem Zusammenhang auf die Gedenktafel für die antifaschistische Widerstandskämpferin und lesbische Aktivistin Hilde Radusch (1908-1994), die vor zwei Jahren auf Initiative von engagierten Bürgern in derselben Straße (Hausnummer 15) angebracht wurde.

Das Haus, in dem die Malerin und Grafikerin Gertrude Sandmann seit 1945 bis zu ihrem Tode 1981 lebte, hatte die Kriegszerstörungen als einziges in der Umgebung unversehrt überstanden, berichtet Thomas Richter. Der Eigentümer der Eisenacher Straße 89 hat die Gedenktafel gestiftet. Den 8. Mai als "Tag der Befreiung" habe man nicht zufällig für die Enthüllung gewählt. "Gertrude Sandmann wurde an diesem Tag persönlich befreit", sagte Richter. Denn sie sei als "entartete Künstlerin" und als Jüdin von den Nazis verfolgt worden. Sie überlebte nur in Verstecken, zum Beispiel von 1943 bis 1945 bei einer Familie Grossmann und deren damals elfjähiger Tochter Sonja (heute Hain) auf dem Dachboden. Aus diesem Grund waren auch Sonja Hains Sohn Klaus Dieter Hain und Enkel Andreas Hain zur Enthüllung der Tafel gekommen.

Thomas Richter hat die Lebensgeschichte und das Schicksal der "kleinen, weißhaarigen Dame" - so die Zeitzeugin und Freundin der Künstlerin, Christiane von Lengerke - erst vor Kurzem erfahren. Weil sie ihn faszinierte, organisierte er im Januar in ihrer früheren Wohnung eine kleine Ausstellung mit ihren Werken, die von einer kunstinteressierten Öffentlichkeit erst seit 2009 langsam wiederentdeckt werden.

Einen Großteil des Nachlasses von Gertrude Sandmann hütet Peter Horvath-Mohacsi: 650 Arbeiten, Kartons voller Tagebücher. Als kleiner Junge habe er Gertrude Sandmann kennengelernt. Peter Horvath-Mohacsi begleitete seine Mutter auf ihren Besuchen bei der Künstlerin. Er sei weder finanziell noch arbeitstechnisch in der Lage, diesen Schatz zu heben, bedauert er. Er ist deshalb dabei, einen "Getrude Sandmann Verein" zu gründen.

30 zeichnerische Arbeiten Sandmanns, die "mit Licht umzugehen wusste und aus unbedeutenden Dingen Zauberhaftes machte", hat Peter Horvath-Mohacsi digitalisiert. Der Wirtschaftsberater aus Leipzig will sie als Drucke mit und ohne Rahmen anbieten. 20 Euro aus dem Verkaufserlös sollen dem Verein in Gründung zugute kommen, so sein Plan.

Nähere Informationen sind in Leipzig bei der Kuratorin der Sammlung Gertrude Sandmann, Anna Havemann, unter 0341/23 06 48 60 erhältlich.

Karen Noetzel / KEN
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