Drogennotdienst für Süchtige und ihre Angehörigen

Zwei von 180 Mitarbeitern: Heike Krause (links) und Cindy Trempler. (Foto: KEN)

Schöneberg. Was tun Eltern, die im Zimmer ihres Sohnes oder ihrer Tochter verdächtige Päckchen finden? Eine wichtige Anlaufstelle im Bezirk ist der Drogennotdienst in der Genthiner Straße.

Zwar befindet sich das Bürohaus Nummer 48 schon in Tiergarten. Aber das liegt daran, dass die Hilfseinrichtung ihren angestammten Standort in der Ansbacher Straße 2014 aufgeben und schnell Ersatz finden musste.

"Wir sind hier mitten im Geschehen", sagt Heike Krause, Mitarbeiterin des Trägervereins "Notdienst für Suchtmittelgefährdete und -abhängige Berlin". Der Straßenstrich an der Kurfürstenstraße, der Nollendorfplatz und der sich daran anschließende bunte Kiez sind nicht weit.

Der Verein und seine heute rund 20 Einrichtungen von der Drogenberatungsstelle und betreuten Wohngemeinschaften für substituierte Drogenabhängige bis zur Werkstatt und einem Obdachlosenheim sind vor 30 Jahren entstanden. Finanziert wird er vom Senat, von den Bezirken, von der Deutschen Rentenversicherung und Krankenkassen. Beschäftigt werden 180 Mitarbeiter. Gut zwei Drittel davon sind Frauen. "Bei unseren Klienten ist es genau umgekehrt. 70 Prozent sind Männer", sagt Heike Krause.

Im abgelaufenen Jahr betreute der Drogennotdienst unter Leitung von Andrea Piest rund 1800 Klienten, anonym und an 364 Tagen von 8.30 bis 21.30 Uhr.

"Die Zahl unserer Klienten stagniert in den letzten fünf bis zehn Jahren. Wir verzeichnen aber dabei einen starken Anstieg der Cannabis-Konsumenten", so Krause. Gras steht in der Rangliste des Drogennotdienstes gleich hinter Heroin.

Die Beratungs- und Hilfseinrichtung wendet sich an Drogenabhängige, aber auch an Konsumenten der sogenannten Partydrogen Amphetamin, Speed oder Cannabis, an substituierte Drogenabhängige und an Jugendliche unter 18 Jahren. In der Jugend- und Elternsprechstunde donnerstags von 16 bis 20 Uhr berät sie Eltern, deren Kinder Drogen nehmen oder Alkohol trinken. Die Jugendlichen sind entweder dabei oder die Eltern kommen allein in die Sprechstunde. Es gibt eine angeleitete Gruppe namens "Grasshoppers" (donnerstags 18 bis 20 Uhr), in der sich frühere Konsumenten von Cannabis und Alkohol seelisch festigen können, und das interaktive Seminar "FreD" für 14- bis 25-Jährige, die Cannabis, Alkohol und/oder Partydrogen nehmen und aussteigen wollen.

Der Drogennotdienst organisiert einen Entzugsplatz, einen Therapieplatz, alle notwendigen Fahrten und die Kostenübernahme. "Wir helfen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist", betont Heike Krause.

Der Notdienst ist stark auf ehrenamtliche Mitarbeiter angewiesen. Derzeit sind in der Einrichtung zwölf Ehrenamtliche für mindestens 15 Stunden im Monat beschäftigt. "Wir brauchen aber 20, um den Schichtdienst abzudecken", erläutert Heike Krause. Der wichtigste Einsatzort der Ehrenamtler ist das Info-Telefon ( 192 37). Darüber hinaus gehören zu ihren Aufgaben der Empfang der Klienten, die Pflege der Wartezimmerliste, die Infektionsvorsorge und der Spritzentausch sowie Kontakt- und Informationsgespräche mit und für die Klienten.

Wer mindestens 21 Jahre alt ist und sich beim Drogennotdienst, Genthiner Straße 48, engagieren möchte, kann sich unter der Hotline 192 37 melden.

Informationen auch unter www.drogennotdienst.org.

Karen Noetzel / KEN
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