Streit um Flüchtlingskinder: Bezirk hat keine freien Schulplätze und zofft sich mit dem LAF

Spandau. Der Bezirk soll 46 neue, schulpflichtige Flüchtlingskinder unterbringen. Doch es gibt keine freien Schulplätze, weshalb das Bezirksamt mit dem zuständigen Landesamt streitet.

Familien mit 46 Kindern im Grundschulalter sollen noch im Oktober in die neue Gemeinschaftsunterkunft an der Freudstraße 4 ziehen. Was das Bezirksamt erst kurzfristig vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) erfuhr: Die Familien kommen aus der Notunterkunft Marburger Straße in Charlottenburg, wo die meisten Kinder bereits zur Schule gehen. Mit ihrer Verlegung müssten sie jetzt eigentlich wohnortnah in den Grundschulen am Beerwinkel und am Wasserwerk beschult werden. „Dort haben wir aber keine freien Plätze in den Regelklassen“, sagt Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD). Anderswo sieht es nicht besser aus. Das Schulamt kann auch gar nicht nach freien Plätzen suchen, denn bis heute liegt ihm lediglich eine Liste mit dem Alter der Kinder vor. „Das aber sagt noch nichts über die Klassenstufe aus“, so Kleebank.

Zusammenarbeit mit dem LAF: "desaströs und unprofessionell"

In einem Brief an Integrationssenatorin Elke Breitenbach (Linke) und Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) kritisiert der Bürgermeister die Praxis des LAF scharf. „Es zeugt schon von besonderer Arroganz, wenn der Umzug einfach durchgezogen werden soll.“ Und das, obwohl Bezirk und Schulaufsicht eindeutig erklärt hätten, dass eine Beschulung in Spandau wegen der prekären Situation nicht möglich sei. Die Zusammenarbeit mit dem LAF nannte Kleebank „desaströs“ und „unprofessionell“. Unprofessionell auch deshalb, weil das LAF es nun für zumutbar und organisierbar hält, die Kinder täglich mit dem Bus zu ihren zwölf bisherigen Schulen in Charlottenburg fahren. Die Senatorinnen fordert Kleebank darum auf, für die Familien eine Lösung außerhalb Spandaus zu finden. Dafür plädiert auch der Bezirkselternausschuss. „Denn wir bezweifeln, dass es bei der langen Fahrzeit bei einer Beschulung in Charlottenburg bleibt“, sagt Thorsten Hartje. Vielmehr befürchte er, dass die ohnehin schon vollen Klassen in Spandau aufgestockt werden. uk
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