Freitagsgebet oder Sportangebot: Terminvergabe ist umstritten

Spandau. Die Zukunft der Bruno-Gehrke-Halle wird am 15. Oktober wieder Thema in der Bezirksverordnetenversammlung. Noch bis Jahresende ist der Bezirk Mieter der dem Bund gehörenden Halle an den Neuendorfer Straße 67. In diesem Rahmen nutzen die dort ansässigen Sportvereine die untere Etage, die Ballsporthalle in der mittleren Etage wird nach Bedarf an die Vereine vergeben.

Der Vorsitzende des Fitness-Clubs Spandau, Jürgen Kessling (SPD), verweist auf eine Nutzungsvereinbarung für die Ballsporthalle mit den Vereinen, die nach seiner Ansicht Sportstadtrat Gerhard Hanke (CDU) gebrochen habe.

Am 10. Oktober hat nämlich Kessling ein Schreiben des Sportamtes erhalten, nach dem der Stadtrat jeweils persönlich über die Nutzung der Vereine entscheide. Kessling sieht jetzt nicht nur das Training der Vereine gefährdet, sondern auch die Aktion "Weihnachten für alle", bei der bisher in der Halle Spenden für Bedürftige im Bezirk gesammelt und als Geschenk-Päckchen verpackt wurden.

Anlass des Streits ist der Bedarf der Teiba-Moschee an passenden Räumen für das Freitagsgebet. Die Moschee verlässt ihren bisherigen Standort in einem Gewerbekomplex an der Streitstraße, und wechselt in die ehemalige Bezirkshauptbibliothek hinter dem Spandauer Bahnhof an der Seegefelder Straße. Doch dieses Gebäude ist noch nicht für die Moschee hergerichtet.

Als die Sportverwaltung kurzfristig die Ballsporthalle am 10. Oktober für das Gebet drei Stunden lang reservieren wollte, verwies Kessling auf die Nutzungsvereinbarung. Daraufhin intervenierte der Stadtrat mit seiner persönlichen Entscheidung.

Stadtrat Hanke sieht keinen Konflikt mit den Sportlern: "Zu der Zeit am Freitag haben vier Leute in der Halle trainiert. Da muss es doch möglich sein, Trainingszeiten für das Freitagsgebet von rund 200 Menschen um ein paar Stunden zu verlegen." Weil der Bezirk der Mieter der Bruno-Gehrke-Halle sei, könne er auch die Nutzung festlegen. Kessling, der auch stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksverordneten-Versammlung ist, will bei dem Gebet am Freitag nur 50 Menschen gesehen haben, betont aber, die Suche der Teiba-Moschee nach Gebetsräumen grundsätzlich zu unterstützen, auch mit Angeboten in der Bruno-Gehrke-Halle. Wer wie über die Nutzung der Halle entscheidet, will jetzt die SPD jetzt in der Bezirksverordnetenversammlung klären, die am 15. Oktober um 17 Uhr im Rathaus, Carl-Schurz-Straße 2/6, beginnt.


Es waren mal zwei Freunde...

Ein Kommentar von Christian Schindler

Es waren einmal zwei Freunde mit einem gemeinsamen Ziel: Sportstadtrat Gerhard Hanke (CDU) sah in der Bruno-Gehrke-Halle ein wichtiges Spandauer Sportzentrum. Der ehemalige Handballer, jetzige Vorsitzende des Fitness-Clubs Spandau und stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Jürgen Kessling, sah das genauso, nicht nur wegen seiner persönlichen Sportvergangenheit in der Halle. Und er lieferte ein weiteres Argument: In der nicht gerade von Wohlstand heimgesuchten Neustadt hat die Halle eine wichtige soziale Funktion.

Nun gehört aber die Halle dem Bund, und der ist aus Sicht des Bezirks nicht unbedingt ein idealer Vermieter. Er will viel Geld, und er hält sich bei der Sanierung gerne zurück. Als Hanke wegen eines Ermittlungsverfahrens gegen ihn, dessen Vorwürfe längst ausgeräumt sind, sein Amt ruhen ließ, kündigte sein Vertreter, Baustadtrat Carsten-Michael Röding (CDU), den Vertrag - er wollte Spandau eine dauerhafte hohe finanzielle Belastung ersparen.

Ein Aufschrei der Empörung ging durch die Zitadellenstadt. Die SPD machte die Halle zum Wahlkampfthema, und auch viele CDU-Leute ließen durchblicken, dass sie den Verlust der Halle alles andere als sinnvoll fanden.

Mit kurzfristigen Verträgen blieb die Halle dem Bezirk erhalten, mit der Perspektive, sie zu einem Zentrum für Integration und Bildung über den Sportbereich hinaus auszubauen. Doch für dieses Konzept gibt es jetzt zwei Vereine, von denen der eine als SPD-nah, der andere als CDU-nah gilt. Die Freundschaft hat tiefe Risse bekommen, die jetzt bei dem Streit um Gebetszeiten für die Teiba-Moschee sichtbar werden. Wenn die Halle eine dauerhafte Zukunft haben soll, braucht es viel Kitt - vielleicht funktioniert dann auch die Freundschaft zwischen den beiden wieder, und sei es nur um der guten Sache willen.


Christian Schindler / CS
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