Flüchtlingsheime vorerst gerettet

Steglitz. In letzter Sekunde ist die Schließung von zwei Flüchtlingsheimen in Steglitz-Zehlendorf verhindert worden. Den 900 Bewohnern von fünf Unterkünften in Berlin, zwei davon im Bezirk, drohte die Obdachlosigkeit.

Am 21. Juni kündigte das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) den Vertrag mit dem privaten Flüchtlingsheimbetreiber Gierso Boardinghaus. Nur einen Tag später, am 22. Juni, haben sich beide Vertragspartner darüber geeinigt, in den nächsten vier Wochen eine Lösung zu finden. „Keiner der 900 Bewohner muss ausziehen – das ist die beste Nachricht“, erklärte Gierso-Geschäftsführer Tobias Dohmen. Im Bezirk waren die Häuser Klingsorstraße und Goerzallee mit insgesamt rund 300 Bewohnern von der Kündigung betroffen. Sie sei ausgesprochen worden, "weil die Gierso mit der Schließung der Heime zum 27. Juni gedroht habe“, teilte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) mit. Hintergrund seien Forderungen der Gierso in Millionenhöhe, die im Zusammenhang mit dem Betrieb der Unterkünfte stehen. Geschäftsführer Tobias Dohmen wies die Vorwürfe zurück: „Das Unternehmen hat nie gedroht, die Heime zu schließen, sondern lediglich darauf hingewiesen, dass sie den Wohnheimbetrieb nicht aufrechterhalten kann, wenn die monatlichen Unterbringungskosten nicht bezahlt werden.“ Seit Mai hat das LAF die Kosten für den laufenden Betrieb nicht gezahlt, weil ein Pfändungsbescheid von Dritten beglichen werden musste.

Im Ergebnis der jüngsten Verhandlungen hat nun das LAF erklärt, in den kommenden vier Wochen eine Lösung für die Übernahme der offenen Beträge sowie die ausgesprochene Kündigung finden zu wollen. So lange ruhe sie.

Die aktuellen Entwicklung lässt nicht nur die Bewohner der Häuser aufatmen. Auch die vielen ehrenamtlich Engagierten und Mitarbeiter in den Heimen sind erst einmal beruhigt. Es sei schlimm durch solche Auseinandersetzungen das Wohl der Menschen aufs Spiel zu setzen, sagt Günther Schulze vom Willkommensbündnis für Flüchtlinge in Steglitz-Zehlendorf. Gerade die beiden betroffenen Heime im Bezirk bestehen seit drei Jahren. „Die Bewohner sind längst in ihr soziales Umfeld integriert, haben Bindungen aufgebaut und Freundschaften geschlossen.“ KaR
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