Ausstellung dokumentiert SS-Amt Unter den Eichen

Die Steglitzerin Christina Kleine war eine der ersten Besucher der Ausstellung. (Foto: K. Menge)

Steglitz. Bisher ist das ehemalige SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (SS-WVHA) nie richtig in den Fokus historischer Aufarbeitung gerückt. Mit der Ausstellung "Hitlers Schreibtischtäter" soll ein Stück der unrühmlichen Geschichte des Amtes ans Licht geholt werden.

Eindrucksvoll wird in der Schwartzschen Villa dokumentiert, was sich in dem unscheinbaren Bau in der Straße Unter Eichen 126-135 abgespielt hat. Kaum einer weiß heute, welche Bedeutung das Amt hatte. In jeder KZ-Gedenkstätte stößt man auf Dokumente mit dem Briefkopf des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes Berlin-Lichterfelde. Das SS-WVHA wurde 1942 unter der Leitung des vom Reichsführer-SS Heinrich Himmler eingesetzten SS-Obergruppenführers Oswald Pohl gegründet. Das Amt verwaltete unter anderem die SS-eigenen Industrien, Gewerbe und Betriebe auch in den Konzentrationslagern und war somit für die wirtschaftliche Ausbeutung der KZ-Häftlinge zuständig. Die Ausstellung behandelt zum einen die Baugeschichte des riesigen Gebäudekomplexes, der sich im Bereich Unter den Eichen 126-135, Schloßstraße 60-62a und Geranienstraße erstreckte. Zum anderen werden einzelne SS-Firmen vorgestellt. So erfährt der Besucher, dass die Übernahme verschiedener Mineralwasserfirmen wie "Sudetenquell" und "Apollinaris" vor allem Einem dienen sollte: Die SS-Männer und die deutsche Bevölkerung vom Alkoholkonsum abzuhalten. Seit 1942 gehörte auch die Pozellanmanufaktur Allach zum WVHA. Hier wurden Keramiken und Porzellane hergestellt. Die Bandbreite reichte von Gebrauchsgeschirr über Tiermodelle bis hin zu propagandistischen Stücken und Sonderanfertigungen, die mit germanischen Symbolen und SS-Runen verziert waren.

"Es ist beeindruckend, wie so ein eigentlich sperriges Thema präsentiert wird", sagt Christina Kleine, die zur Eröffnung der Ausstellung in die Schwartzsche Villa gekommen ist. Bisher hätte sie keinen Zugang zur Verwaltungsgeschichte gehabt. "Es ist sehr spannend, zu erfahren, was sich in den einzelnen Gebäuden hier im Bezirk in der Zeit des Nationalsozialismus getan hat", sagt die Steglitzerin. Bemerkenswert war für sie die Tatsache, dass die SS sogar eigenen Pfeffer angebaut hat. Dazu wurde der SS-Betrieb "Kräutergarten Dachau" ins Leben gerufen. Mutterorganisation war die Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung (DVA), die zum WVHA gehörte und in der Geranienstraße 3 ihren Sitz hatte.

Ein weiteres Kapitel der Ausstellung befasst sich mit dem Personal des Amtes wie Chef Oswald Pohl und sein Vertreter August Frank und deren Dienstvillen in der Koserstraße und der Schemannstraße (heute Dubrowstraße).

Die Ausstellung ist bis zum 23. Februar zu sehen. Geöffnet ist Di-So 10-18 Uhr (am 24., 25., 31.12. sowie am 1.1.14 ist geschlossen). Zur Ausstellung gibt es ein Begleitprogramm mit kostenlosen Führungen, im November am 15., 17., 24., sowie Vorträge, der nächste am 26. November. Mehr Informationen gibt es unter 75 47 95 15 oder auch im Kulturamt unter 902 99 23 02

Karla Menge / KM
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