Türkei klagt Sürücü-Brüder an

Tempelhof. Der Prozess soll am 26. Januar eröffnet werden, berichtet die türkische Zeitung „Hürriyet“. Damit werden mehr als zehn Jahre nach dem Mord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü in der Oberlandstraße zwei ihrer Brüder in der Türkei vor Gericht gestellt.



Der sogenannte Ehrenmord erschütterte ganz Deutschland: Am 7. Februar 2005 wurde die damals 23-jährige Hatun Sürücü, Mutter eines sechsjährigen Sohnes, an einer Bushaltestelle in der Oberlandstraße mit drei Kopfschüssen getötet. Ermordet von ihrem jüngsten Bruder, weil der kurdisch-türkischen Familie ihr moderner westlicher Lebensstil nicht passte.

Der jugendliche Mörder wurde zu neun Jahren und sechs Monaten Jugendstrafe verurteilt. Im Juli 2014 wurde er nach Verbüßung seiner Strafe in die Türkei abgeschoben und soll heute einen Imbiss in Istanbul betreiben. Seine beiden älteren und damals mitangeklagten Brüder Alpaslan und Mutlu Sürücü waren 2006 in einem ersten Prozess in Berlin aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Das Urteil wurde aber 2007 vom Bundesgerichtshof aufgehoben. Zu einem neuen Verfahren kam es allerdings nicht mehr, weil sich die Brüder zwischenzeitlich in die Türkei abgesetzt hatten. Die Türkei liefert ihre Staatsbürger zwar nicht aus, aber hat auf Betreiben der Bundesregierung ein eigenes Strafverfahren gegen die beiden Männer eingeleitet. Nun werden Alpaslan und Mutlu Sürücü vor dem Schwurgericht wegen vorsätzlicher Tötung "zum Nachteil eines Familienmitglieds" angeklagt.

An ihre Schwester Hatun erinnert heute ein Gedenkstein am Tatort in der Oberlandstraße. HDK
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