Mieter in der Kurfürstenstraße machen sich Sorgen um ihre Gesundheit

Tiergarten. Die Häuser Kurfürstenstraße 80-83 sollen bis Ende 2014 energetisch saniert werden. Angefangen wurde im September. Die Arbeit stockt. Ist Asbest schuld?

Adelheid J., die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist überzeugt: In der Verkleidung des Komplexes mit rund 170 Wohnungen sind die krebserregenden Silikat-Minerale drin. Adelheid J. zeigt ein Schreiben der Hausverwaltung. Im November informierte die Deutsche Immobilien Management GmbH (DIM) ihre Mieter über Asbest in den Fußböden. Die Mieter wurden angewiesen, "auf keinen Fall eigenständig Arbeiten an den Fußböden vorzunehmen". Auch einfaches Anbohren wurde strikt untersagt. Bei Schäden am Fußboden würden ausgewiesene Fachfirmen mit der Reparatur beauftragt, heißt es in dem Schreiben. "Warum soll nicht auch in den Fassadenplatten Asbest sein?", sagt Mieterin J. Sie hat auch beobachtet, wie bei Renovierung frei gewordener Wohnungen Arbeiter ohne Schutzmaske die Böden herausrissen.

Der Stadtentwicklungsausschuss der BVV diskutiere immer wieder, wie das Asbestproblem gemeinsam mit den Wohnungsgesellschaften zu lösen sei, so der Ausschussvorsitzende Frank Bertermann (Grüne). Private Eigentümer könne man nicht durchgängig zur Asbestsanierung zwingen. Bertermanns Stellvertreter, Sascha Schug (SPD), hat bei der Bauaufsicht nachgefragt. Die Antwort: Kein Asbest in den Fassaden an der Kurfürstenstraße. "Die Bauaufsicht ist zuverlässig", sagt Schug. Nur fragt er: "Wie häufig kann sie Fälle vor Ort überprüfen?"

"Die Mieter wurden gebeten, sich zu melden, wenn sie den Verdacht auf Asbest haben", sagt DIM-Pressesprecherin Carolina Lebedies. Danach könne die DIM mit den Eigentümern die nötigen Schritte abstimmen. "Wir haben in den Wohnungen der Mieter, die sich gemeldet haben, Begehungen von Sachverständigen machen lassen. Die Ergebnisse liegen uns noch nicht vor."

Die Wohnungen gehören der Brandenburg Properties 3 S.A.R.L., einem Investmentfonds in Luxemburg. Laut Adelheid J. kümmere der sich wenig um seinen Besitz. Defekte Aufzüge und mangelhafter Winterdienst sind nur zwei Mängel. Die Miete werde aber alle zwei Jahre um 15 Prozent erhöht.


Karen Noetzel / KEN
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