Immer mehr Erstklässler: Lehrer und Eltern beklagen Qualitätseinbußen

Berlin: Erika-Mann-Grundschule |

Wedding. Einschulungschaos an etlichen Schulen. Sie müssen mehr Kinder aufnehmen, als Konzept, Räume und Personal hergeben.

Schulstadträtin Sabine Smentek (SPD) hat das Schulamt bis 10. Juli für das Publikum geschlossen. Offizielle Begründung: Aufarbeitung von Rückständen. Damit meint sie, dass wenige Tage vor Ferienbeginn viele Eltern noch nicht wissen, auf welche Schule ihr Kind kommt. Weil für das kommende Schuljahr mit 3500 Kindern 500 mehr als erwartet angemeldet wurden, „stoßen wir an unsere Grenzen“, sagte Smentek bei einer thematischen Stunde in der BVV am 18. Juni zum jetzigen Einschulungschaos.
Die Anmeldezahlen im Oktober hätten nicht darauf hingedeutet, dass es „zu einem Engpass kommt.“ Das wurde erst „vor sechs bis acht Wochen deutlich“, so die Stadträtin, auch weil anders als in den Vorjahren viele Anmeldungen von Eltern, die als Erstwunschschule eine andere als im Bezirk Mitte angegeben hatten, „zurückgeschwappt“ sind.

„Spätestens am 10. Juli sollen alle Erstklässler wissen, auf welcher Schule sie landen“, sagte Smentek. Die späten Zuweisungen des Schulamtes sorgen nicht nur bei den Eltern, sondern auch bei den Schulen für heftigen Ärger. Neben den völlig überlaufenen Schulen in Alt-Mitte wird es jetzt auch in Wedding eng. Das Schulamt hat zum Beispiel der Erika-Mann-Grundschule erst am 10. Juni mitgeteilt, dass sie 140 Erstklässler aufnehmen muss. Die Schulleitung hatte 90 freie Plätze gemeldet. Jetzt, wo alle Pläne erarbeitet sind, gerät das gesamte Schulkonzept ins Wanken. Bei so vielen Kindern kann man die Jahrgangsmischung nicht mehr durchziehen, weil es nicht genug Zweit- und Drittklässler gibt. Dazu kommen massive Raumprobleme und logistische Herausforderungen, zum Bespiel, 50 Kinder mehr durch die Mensa zu schleusen. Bisher gibt es schon drei Essensdurchgänge.

Jan Krebs, der schon eine Tochter an der Erika-Mann-Schule hat und dessen Sohn jetzt ebenfalls dort eingeschult wird, befürchtet, „dass die pädagogische Qualität erheblich leiden wird.“ Theater- und Musikprojekte müssten stark eingeschränkt werden. Unklar ist auch, woher die Schule so kurz vor Schuljahresbeginn zusätzliche qualifizierte Lehrer und Erzieher bekommen soll.

DJ
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