CDU will Umbenennungen im Afrikanischen Viertel stoppen und Anwohner befragen

Berlin: Nachtigalplatz |

Wedding. Noch bis zum 25. Februar sollen Anwohner im Afrikanischen Viertel Vorschläge beim Bezirksamt einreichen, wie zukünftig die Lüderitzstraße und der Nachtigalplatz heißen sollen. Die CDU lehnt die Umbenennung ab und will das Verfahren stoppen.

Nach jahrelangem Streit um Straßenumbenennungen im Afrikanischen Viertel hat das Bezirksamt wie berichtet jetzt begonnen, vorerst zwei Straßen umzubenennen. Kulturstadträtin Sabine Weißler (Grüne) hat die Anwohner per Schreiben aufgefordert, Vorschläge vorerst für die Lüderitzstraße und den Nachtigalplatz zu machen. Die Lüderitzstraße ist nach dem Kaufmann Adolf Lüderitz benannt, der in der früheren Kolonie Deutsch-Südwestafrika im heutigen Namibia aktiv war. Der Nachtigalplatz erinnert an den Afrikaforscher und Kolonialpolitiker Gustav Nachtigal.

Weißler setzt mit dem Aufruf einen BVV-Beschluss von März 2016 um. Nur die CDU Fraktion ist gegen die Umbenennungen und hatte als Kompromiss vorgeschlagen, die betroffenen Straßennamen zu belassen und umzuwidmen. So sollte etwa der Nachtigalplatz statt wie bisher dem Kolonialpolitiker Gustav Nachtigal dem Theologen und Schriftsteller Johann Karl Christoph Nachtigal gewidmet werden.

Die CDU-Fraktion will das nun gestartete Verfahren stoppen und fordert eine Befragung unter den Anwohnern, „ob sie eine Umbenennung denn überhaupt wollen“, so Fraktionschef Sebastian Pieper. Er hält den jetzigen Aufruf, Vorschläge einzureichen, für keine echte Bürgerbeteiligung. „Es kann nicht sein, das Ergebnis, nämlich dass eine Umbenennung erfolgen wird, bereits vorzugeben und diese Abstimmungsmöglichkeit den Anwohner vorzuenthalten“, heißt es in der CDU-Anfrage für die kommende Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 16. Februar. Pieper glaubt, „dass das Bezirksamt das Ergebnis einer grundsätzlichen Anwohnerbefragung zum Thema Straßenumbenennung fürchtet. Ihn ärgert auch, dass es de facto gar keine Möglichkeit gibt, eigene Vorschläge zu machen. Denn laut BVV-Beschluss sollen mit den neuen Namen „Persönlichkeiten – insbesondere Frauen – der (post-)kolonialen Befreiungs- und Emanzipationsbewegung aus Ländern Afrikas geehrt werden“. Eine Jury, bestehend aus Bezirksamt, Mitgliedern der BVV, Aktiven der Afrikanischen/Postkolonialen Community und weiteren Initiativen, soll aus den Einsendungen die Namen auswählen und der BVV zum Beschluss vorschlagen. DJ
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